Mittwoch, 22. Juli 2009

Feiern im Krisenjahr: Streitigkeiten, Abgänge & Risikoprogramm bei Festspielen

  • Dunkle Wolken hängen über Salzburger Festspielen
  • NEWS: Großartige Fotoausstellung zeigt Stars privat

Skepsis und Erschöpfung stehen dem Schauspieler Peter Simonischek ins Gesicht geschrieben, wie er da vom mannshohen Plakat auf das Festspielhaus hinüberäugt. Er trägt ein Büßerhemd und wirkt deprimiert, was er auch im Leben ist und nicht nur in der Fotoausstellung des Rupertinums: Der langdienende Jedermann dankt Ende August nach acht Jahren ab. Auch Thomas Oberender, der Schauspielchef, hat seine Demission mit Herbst 2011 schon bekannt gegeben. Der ab dann amtierende Festspielintendant Alexander Pereira vertraut Sven-Eric Bechtolf. Oberenders Theaterprogramm für den nun beginnenden Sommer ist im Juni tragisch implodiert: Da erlag der Regisseur Jürgen Gosch, der „Die Bakchen“ als zentrale Produktion in Szene setzen sollte, einer Krebserkrankung.

Szenenwechsel in die Direktionsetage des Festspielhauses und ein fühlbares Con sordino auch hier. Wenn ein Intendant derart unumlagert ist wie Jürgen Flimm an diesem seinem 68. Geburtstag, so weiß jeder Kundige: Er ist am Abgang, die verbleibenden Saisonen sind geplant, opportunistische Zuwendung lohnt nicht. Die Sekretärin hat ihm einen Rosinengugelhupf gebacken. Den verputzt er jetzt mit den NEWS-Leuten zwischen Vormittags- und Nachmittagsprobe zur Rossini- Rarität „Moses und Pharao“, in der es um Diaspora und den Clash der Kulturen geht. Der Chef ist in seiner drittletzten Saison entgegen seinen Absichten selbst eingestiegen, um das Dauermalheur mit den von Maestro Muti akzeptierten Regisseuren ex cathedra zu beenden. Im nächsten Sommer inszeniert er nochmals, der wiederkehrende Harnoncourt wollte Bergs „Lulu“ mit keinem anderen angehen. Unter Künstlern ist Flimm ein angesehener, ja unentbehrlicher Mann.

Seit er allerdings den Wunsch äußerte, baldmöglichst an die Berliner Staatsoper affiliieren und das Renommierfestival aus der Ferne mitbetreuen zu dürfen, sitzen ihm beleidigte Festspielkuratoren im Nacken. Bürgermeister Schaden wollte ihn abwechselnd zwingen, schon im Herbst unehrenhaft abzudanken oder seinen Vertrag bis September 2011 auszusitzen. „Vielleicht habe ich dem einen oder anderen einmal einen Parkplatz weggenommen“, rätselt Flimm. „Die Saisonen bis 2011 sind geplant, ich habe meinen Job gemacht, mit mehr oder weniger Erfolg, aber immer mit guten finanziellen Ergebnissen. Das müsste die doch interessieren.“

Den nunmehr endlich ausgehandelten Kompromiss hat Flimms Anwalt abgenickt: „Dass ich hier Intendant bin und im Oktober 2010 meinen Vertrag in Berlin antreten kann.“ Seinen letzten Sommer will er, ohne Gage, noch abwickeln, mit allen Sitzungen und Bauproben davor, Ehrensache. Die Nomenklatura hätte die Festspiele nie geliebt, fügt er hinzu. Schon die Vorgänger Karajan, Mortier und Ruzicka hätten „alles abgekriegt. Der Intendant steht vorne am Bug. Wenn die Wellen kommen, kriegt er zuerst die Gischt ins Gesicht. Bei meinem Nachfolger wird es auch so sein.“ Jetzt will er nur noch seine Ruhe. Aber ein Buch über die Salzburger Zeit wird es geben. Seit Amtsantritt im Sommer 2007 hat das deutsche Feuilleton seinen einstigen Darling vermöbelt: „Netrebkoismus“ werde hier produziert, societygängiges, rückwärtsgewandtes Spektakeltheater wie die vorjährige „Roméo et Juliette“-Petitesse.

Als dann vor zwei Jahren die Stars in Serie absagten, gellte das Endzeitgeschrei, als schicke sich der Mönchsberg an, auf das Festspielhaus niederzustürzen. Flimm reagierte auf seine Weise, wobei das Zusammentreffen mit der Wirtschaftskrise nur bedingt beruhigende Folgen nach sich zog: „Sperrig“ ist ein Euphemismus für das heurige Programm. Statt Gounod-Schmalzetten gibt es ein dramatisiertes Oratorium von Händel und die Rossini-Rarität im Großen Festspielhaus, dazu Luigi Nonos Revolutionsoper „Al gran sole carico d’amore“ unter Metzmacher in der Felsenreitschule. Die neue Mozart-Produktion, „Così fan tutte“ unter Claus Guth und dem nicht in der ersten Reihe dirigierenden Adam Fischer, ist spektakelfrei besetzt. Den Händel und eine Haydn- Wiederaufnahme leitet der wackere Ivor Bolton, amtierender Chef des Mozarteum-Orchesters.

Das mit Abstand Publikumsgängigste sind zwei konzertante „Fidelio“-Aufführungen mit dem israelisch-palästinensischen „West Eastern Divan Orchestra“ unter Barenboim. Die sind denn auch ausverkauft, während die Festspiel-Homepage für sämtliche „Theodora“-, Nonound „Figaro“-Aufführungen (die Premieren inklusive), für sämtliche Rossini- und die Hälfte aller „Così“-Reprisen noch Kartenkontingente ausweist.

„Wo ist hier etwas sperrig?“, fragt Flimm. „Dass wir hier etwas machen, was man nicht landauf, landab spielt? Und was es mit den Namen auf sich hat, weiß ich nicht. Würde man all die Stars engagieren, würdet ihr sagen: ,Warum tut ihr nichts für den Nachwuchs?‘ Wir mischen eben. – Ich würde euch wünschen, dass ihr einmal ein Festival leitet“, fügt der Intendant hinzu und verteidigt das Engagement Adam Fischers: Das hätten die Philharmoniker gewünscht. Denen seien spannende Leute wie Minkowski oder Hengelbrock nicht kommunizierbar.

(Heinz Sichrovsky)

Auch der kaufmännische Direktor geht ab. Alle Infos zur Krise in Salzburg finden Sie in NEWS 30/09!

22.7.2009 16:08

Kino

Men in Black 3

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Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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