Dienstag, 21. Juli 2009

"Schummel-Lebensmittel" boomen: Auch Schoko-Kekse ohne Schokolade im Handel

  • Auch Pesto und Meeresfrüchte nicht immer echt
  • Landwirtschaftsminister fordert EU-weite Deklaration

Kunstkäse und falscher Schinken sorgten in Österreich bereits für heftige Diskussionen. Aber das sind noch lange nicht alle Lebensmittel, bei denen geschummelt wird. Jetzt wurde eine Liste mit elf weiteren Produkten veröffentlicht, bei denen Kunden etwas vorgemacht werde - wie etwa Schokoladenkekse ohne Schokolade. "Offenbar sehen sich immer mehr Anbieter veranlasst, an den Zutaten zu sparen, und möchten vor allem eines vermeiden: Dass die Verbraucher das merken", erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg.

Als Beispiel wird etwa gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform gezeigt, das täuschend echt aussieht. In einem "Meeresfrüchtecocktail" fehlen die Meeresfrüchte, eine Dose italienisches Pesto ist mit billigem Sonnenblumen- statt teurem Olivenöl angerührt, in einer Dose Schafskäse steckt sogenannter Analogkäse. Aufpassen heißt es aber nicht nur bei Billigmarken, sondern auch bei teuren Markenartikeln. Gesundheitsgefährdend ist die Verwendung von Lebensmittelimitaten jedoch nicht.

EU-weite Kennzeichnung gefordert
Nach der Aufregung um künstlichen Käse ohne Milch oder falschen Schinken mit niedrigem Fleischanteil setzt sich Landwirtschaftsminister Berlakovich für eine EU-weite Deklaration von Imitat-Produkten ein. "Klar ist, dass wir eine klare Kennzeichnung brauchen. Darum habe ich auch auf europäischer Ebene eine verpflichtende Kennzeichnung von Imitat-Produkten initiiert", so Berlakovich.

AMA-Gütesiegel ausbauen
"Wir wenden uns klar gegen eine 'Geiz ist geil'-Mentalität." Die Menge der Gütesiegel müsse begrenzt werden. "Parallel dazu müssen wir auch das AMA-Gütesiegel ausbauen, das heißt, wir müssen klarer kommunizieren, wofür es steht und darüber hinaus den Einsatz verbreitern", betonte er. Geplant ist eine zusätzliche gesetzliche Absicherung. Derzeit gebe es auch Verhandlungen mit Rewe Austria, dem AMA-Gütesiegel beizutreten.

Strengere Strafen
Strengere Strafen bei Vergehen gegen das Lebensmittelgesetz und mehr Transparenz für die Verbraucher hat der Konsumentensprecher der SPÖ, Johann Maier, gefordert.

Bei Verwendung von Schinkenersatz und Kunstkäse in Speisen und falscher Kennzeichnung fordert Maier beträchtlichere Sanktionen. "Es muss sichergestellt werden, dass sich Gesetzesübertretungen nicht lohnen und die Strafen adäquat sind." Die Gastronomie greife zu tief in die Trickkiste, um Geld zu sparen und die Konsumenten hinters Licht zu führen. Auch die Kennzeichnungen von Lebensmitteln im Supermarkt sollte eine Mindestgröße von drei Millimeter haben, damit sie jeder ohne Probleme lesen könne. (apa/red)

21.7.2009 16:45
lebegesund, 22. 07. '09 16:52
Qualität statt Quantität!
Nur durch das AMA-Gütesiegel kann man sicher sein Käse, Joghurt und andere Milchprodukte aus der Region und von höchster Qualität zu kaufen. Darauf achte ich beim Einkauf!