Das Kultur-Jahr

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15.7.2009 09:50

80er-Jahre Legende Morrissey live in Wien:
Transformation in ein neues Jahrzehnt

  • Doll and the Kicks als zukunftsreicher Anheizer

Wenn Gott aus Manchester zu Besuch kommt, muss auch David Byrne, ehemals Talking Heads, das Nachsehen haben. Der Schotte stellte zur selben Zeit in der Wiener Arena seine Kollaboration mit Brian Eno dem hungrigen New Wave und Post-Punk Publikum vor. Natürlich eine grandiose Mischung, die Entscheidung fällt dennoch zu Gunsten von Steven Patrick Morrissey, dem „einflussreichsten Künstler aller Zeiten“ (New Music Express).

Dass das Gasometer, trotz prall gefüllter Steh- und Sitzplätze, kein rechter Ort für so ein Ereignis ist, war von vornherein klar, dennoch fehlten Alternativen. Die Arena ist als ehemaliger Schlachthof für den PETA-Aktivisten und bekennenden Vegetarier sowieso untragbar. Ein Konzert im Dresdener Alten Schlachthof wurde schon einmal kurzfristig abgesagt.

Neu vor Alt

Als Anheizer gab es Doll and the Kicks, eine junge Brit-Rock-Gruppe aus Brighton, die mit weiblichem Gesang und schönen Pop-Anleihen von der ersten Sekunde zum Mittanzen anregte. Die neue Sensation aus UK, wieder mal.

Die Umbaupause galt der cineastischen Huldigung so mancher Idole des Großmeisters der besungenen Tragik. Da kam Velvet Underground-Legende Lou Reed zu Wort, oder die Glamrock-Band New York Dolls. Nostalgie ist bei Mozz, wie ihm seine Fans nennen, Programm. Da dürfen auch die einen oder anderen The Smiths-Klassiker nicht fehlen. Nötig hat er das wohl kaum, denn Morrissey hat seit Ende der 80er-Jahre bereits neun Solo-Alben veröffentlicht.

So beginnt auch der 20 Nummern umschließende Reigen mit dem Smith-Song „This Charming Man“ und endet programmatisch mit „First of the Gang to die“, vom wohl besten Solo-Album „You Are the Quarry“. Dazwischen gibt es einiges Neues, wie die vor Weltschmerz schreiende Single-Auskopplung „Throwing my Arms around Paris“. Lieber die Arme um Stein und Stahl legen, als gar nicht lieben: „I'm throwing my arms around Paris because nobody wants my love...“

Der Mozzer, dieses Jahr 50 Jahre alt geworden, führt seine großen Pop-Hymnen der 80er und 90er in ein neues musikalisches Zeitalter, mit einer Band, die die süßlichen Töne der Smiths abgelegt und gegen schmetternde Gitarren und dröhnende Bässe getauscht hat. Steht ihm gut zu Gesicht dieser neue Sound, die Stimme bleibt ohnehin über alles andere erhaben.

(Philip Dulle)

15.7.2009 09:50
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