Freitag, 17. Juli 2009

Österreichs erste gehörlose Nationalrats-
Abgeordnete Helene Jarmer: "Ich lebe gut!"

  • WOMAN liefert erstmals private Einblicke in ihr Leben
  • Das sehr persönliche Interive mit der Grün-Politikerin

Sie ist die erste gehörlose Abgeordnete im Nationalrat – ihre Auftritte der letzten Tage waren spektakulär. In WOMAN läßt die Grün-Politikerin erstmals private Einblicke zu – und sagt, dass sie nicht hören will.

Was Helene Jarmer will, zieht sie durch. Ungeachtet jeder Hürde. Trotz Gehörlosigkeit und fehlender Ausbildungsmöglichkeit absolvierte die 1,85 m große Wienerin sowohl Matura als auch Pädagogikstudium mit Bravour. Nun hat die 38-Jährige als erste gehörlose Abgeordnete der Grünen ihre Ziele klar im Visier: Bildung für Gehörlose sowie ein möglichst barriere- und diskriminierungsfreies Österreich. Ihre Vorhaben packt sie an wie ihre Rede zur Angelobung: mit Humor und Überzeugungskraft.

"Mein Vater hat mich immer bestärkt“
Frau Jarmer, zeigen Sie uns bitte, wie man Ihren Namen in Gebärdensprache deutet?
Jarmer weist hinter ihr Ohr, was so viel wie „die mit den langen Haaren bedeutet“ – auch wenn sie schon seit längerem einen modischen Kurzhaarschnitt trägt.

Wie gefällt Ihnen der Rummel um Ihre Person?
Ich finde vor allem interessant, wie verunsichert die Journalisten am Anfang mit mir umgegangen sind. Wie vorsichtig sie in ihrer Wortwahl waren.

Wären Sie nicht gehörlos, wäre wohl nicht so viel Aufhebens um Ihren Einzug ins Parlament gemacht worden ...
Vermutlich. Für mich ist gehörlos zu sein völlig normal (schmunzelt). Und wenn ich hörend wäre, wäre ich vielleicht gar nicht Abgeordnete geworden!

Sie wurden hörend als Kind gehörloser Eltern geboren, verloren im Alter von zwei Jahren Ihre Hörfähigkeit bei einem Unfall. Haben Sie Erinnerungen daran?
Meine Mutter fuhr mit mir im Kinderwagen auf dem Gehsteig. Ein Lkw und ein Pkw stießen auf einer Kreuzung zusammen, das Auto wurde auf den Gehsteig und auf den Kinderwagen geschleudert, ein sehr massiver Aufprall. Der Kinderwagen überschlug sich mehrmals. Dabei wurde mein Kopf ständig zwischen den Stangen des Wagerls hin und her geschleudert. Als dieser zum Liegen kam, haben meine Ohren stark geblutet. Bei den Untersuchungen danach war bald klar, dass ich dadurch meine Hörfähigkeit verloren hatte.

Glauben Sie an Schicksal?
Nein. Es gibt im Leben viele Zufälle, Geschichten, die Stoff für einen Film sein könnten. So wie meine. Aber ich weiß auch: Bei jedem Menschen gibt es gute und schlechte Zeiten. Niemand ist permanent oben oder nur unten.

Haben Sie Erinnerungen an das Hören?
Ich weiß nur noch, dass mir Orgelmusik in der Kirche immer gut gefallen hat. Und als wir nach meinem Unfall wieder in der Kirche waren, sah ich wohl den Organisten spielen – aber sonst war’s still. Das ist alles.

LESEN Sie mehr in WOMAN 15/09! Ihre Wünsche, was sie von ihrem Vater gelernt hat und ihre Meinung über Österreich!

17.7.2009 15:52