Petrodollars sollen Porsche vor VW retten:
10 Milliarden stehen an Schulden zu Buche
- Porsche will drohende Übernahme von VW abwenden
- Endgültige Entscheidung soll nun am 23. Juli fallen

·Der Golfstaat könnte letzte Rettung sein
Katar soll mehrere Mrd.
Euro für Porsche bieten
Mit dem Plan einer fast kompletten Entschuldung in der Tasche bietet Porsche dem VW-Konzern vor der in Kürze erwarteten Schicksalsentscheidung die Stirn. Vor dem Treffen der wichtigsten Köpfe bei der Feier zum 100-jährigen Jubiläum der VW-Marke Audi zeigte Porsche erneut, dass sich das Unternehmen nicht kampflos als zehnte Marke in den größten europäischen Autobauer einverleiben lassen will.
Ob der Plan zum 10 Mrd. Euro schweren Befreiungsschlag mittels Kapitalerhöhung und Weitergabe von VW-Aktienoptionen gelingt, ist aber noch ungewiss. Denn auch der mächtige VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piech müssten dabei mitziehen. Piech dürfte der Porsche-Plan aber gegen den Strich gehen.
Entscheidungen werden spätestens auf den Aufsichtsratssitzungen am 23. Juli erwartet, bei denen beide Firmen getrennt über die gemeinsame Zukunft beraten werden. Auf der vorläufigen Tagesordnung für das Treffen der VW-Kontrolleure tauchen die Namen Porsche und Katar zwar nicht auf. Kreisen zufolge wird die Diskussion dazu beim Thema "Bericht des Vorstands" erwartet. Dass sich der traditionell in Wolfsburg tagende VW-Kontrollrat diesmal in Stuttgart trifft, ist nach Meinung aus Gewerkschaftskreisen aber noch kein Indiz dafür, dass VW in dem seit Monaten tobenden Machtkampf die Oberhand gewinnt.
Porsche will Schulden loswerden
Porsche will sich Kreisen zufolge unter anderem über eine 5 Mrd. Euro schwere Kapitalspritze seiner Altaktionäre und des Emirats Katar seiner Schulden nahezu völlig entledigen. Dabei werde Katar allein Stammaktien übernehmen, die Altaktionäre auch nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien, wie zwei mit der Situation vertraute Personen aus dem Porsche-Umfeld sagten. Zusammen mit der Weitergabe des VW-Aktienoptionspakets an das arabische Emirat sollen insgesamt rund 10 Mrd. Euro in die Kasse gespült werden. Der Netto-Schuldenstand liegt den Insidern zufolge derzeit bei mehr als 10 Mrd. Euro. Per Ende Jänner hatte er noch 9 Mrd. Euro betragen. Porsche wollte sich dazu nicht äußern.
Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piech strebt allerdings eine Integration des Stuttgarter Sportwagenbauers in den VW-Konzern an. Ob er die Katar-Pläne durchwinkt, ist ungewiss. Die allein stimmberechtigten Familien Porsche und Piech streiten seit Monaten über Wege zur Entschuldung des Konzerns und welche Rolle VW dabei spielen soll. Der Sportwagenbauer hat sich beim Versuch verhoben, Volkswagen zu übernehmen. Mittlerweile wird nur noch ein "integrierter Autokonzern" angestrebt.
Der einflussreiche stellvertretende Porsche-Aufsichtsratschef Uwe Hück zeigte sich zuversichtlich, dass die von den Eignerfamilien versprochene Unabhängigkeit des Sportwagenbauers erhalten bleibt. "Die Familien können und müssen was machen", sagte er nach einer Betriebsversammlung in Weissach bei Stuttgart.
Schwere Vorwürfe gegen Wulff
An die Adresse von Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) erhob Hück schwere Vorwürfe. Er erklärte, Wulff wolle Porsche schaden. Wulff habe bei diversen deutschen Banken darauf gedrängt, keine Kredite an Porsche zu vergeben, sagte Hück. Die niedersächsische Staatskanzlei wies die Anschuldigungen zurück: "Alle Beschäftigten von Volkswagen und Porsche würden von einem integrierten Konzern profitieren. Uwe Hück allerdings würde seine Allmacht verlieren. Angesichts des Stils von Uwe Hück kann man dies auch im Interesse von Porsche nur begrüßen."
(apa/red)

