AUA muss sich nach Alternativen umsehen:
Plan B für Fall eines Lufthansa-Rückziehers
- NEWS: EU-Prüfung gefährdet die AUA-Übernahme
- Aktionär Hans Schmid über die Zukunft der Airline

·Ist AUA bald wieder
alleine zu Hause?
NEWS zeigt mehrere
mögliche Szenarien auf
·AUA-Passagierzahlen
unterstreichen Krise
Im ersten Halbjahr 14,3 Prozent weniger Fluggäste
·Ende der Reise unter
rot-weiß-roten Flügeln
KLICKEN Sie sich durch
die Geschichte der AUA
·Gelingt der Verkauf
der AUA doch noch?
IHRE MEINUNG in der
Geld-Umfrage der Woche
·EU-Kommission und
Lufthansa pokern hoch
AUA-Verkauf als heikles
Machtspiel in Brüssel
·Pröll sagt "Nein" zu Auflösung der ÖIAG
Vorschlag ist für ihn
"inhaltlich nicht richtig"
Wir bewegen uns keinen Millimeter mehr weiter. Wir haben bereits das maximal Mögliche getan, tönt es auf NEWS-Anfrage aus der Lufthansa-Zentrale in Deutschland. Die Germanen sind spürbar sauer.
Das hat einen Grund: Die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Neelie Kroes, möchte von der Lufthansa Zugeständnisse bei der Übernahme der AUA.
Kolportierte 100 Flugverbindungen der Lufthansa müssen an die Konkurrenz abgegeben werden. Damit wieder mehr Wettbewerb stattfindet, meint Kroes-Sprecher Jonathan Todd.
Auf dieses Spiel lässt sich die Lufthansa nicht ein und stellt auf stur. Bereits im Jahr 2000, als die AUA zur StarAlliance kam, einer von der Lufthansa dominierten Vereinigung von Fluggesellschaften, mussten Slots abgegeben werden. Alles steht jetzt. Man hofft auf ein Wunder, bekräftigt ein AUA-Aufsichtsrat.
Die Zeit drängt
Die Crux an der Sache: Sollte die Lufthansa zur massiven Reduzierung ihres Streckennetzes nicht bereit sein, wird es eng um den Take-over der AUA durch die Lufthansa. Eine erneute Prüfung durch die EU verschleppt die Fusion um mindestens einen Monat. Doch die Lufthansa hat sich in ihrem Kaufvertrag vom Dezember 2008 eine Klausel ausbedungen, wonach sie an ihr Angebot nur bis zum 31. Juli 2009 gebunden ist und danach pönalefrei aussteigen kann.
Plan von Hans Schmid
Der rot-weiß-rote Carrier verfügt mangels Kapitals allerdings über einen sehr kurzen Atem. Geht der Deal nicht bald über die Bühne, fliegt statt des Kranichs (Symbol der Lufthansa) der Kuckuck ins AUA-Nest. Daher wird jetzt eifrig an einem Plan B gebastelt.
Hans Schmid, der ehemalige Werber (GGK) und Minderheitsaktionär der Austrian Airlines sowie Eigentümer des Wiener Kaufhauses Steffl, übernimmt jetzt das Ruder und gibt bereits Auskunft über eine Ära ohne Lufthansa: Es wäre ein echtes Desaster für den Standort Österreich, wenn die AUA bankrottginge. Klappt der Deal mit der Lufthansa nicht, so muss die Airline drastisch verkleinert werden; es besteht noch hohes Einsparungspotenzial, denn es steckt noch ausreichend Speck und Luft in der AUA. Schließlich ist ein positiver Cashflow zu erwirtschaften. Danach, und ich schätze, das könnte bereits in zwei Jahren möglich sein, muss man sich erneut auf eine Partnersuche begeben. Wie bereits ein Gutachten vor Jahren richtig erkannt hat, ist eine Stand-Alone-Lösung der AUA in der Form einfach nicht möglich.
Dafür wäre Schmid auch bereit, bei der AUA einzusteigen. Er hat seinen Anteil von knapp fünf Prozent, die er über seine Stiftung hielt, an die Lufthansa verkauft. Sollte aber die Übernahme durch die Lufthansa nicht klappen, wäre auch der Verkauf von Schmids Beteiligungen zurückzustellen.
Lauda hat kein Interesse
Im Zusammenhang mit dem Verkauf des heimischen Carriers wird immer wieder Niki Lauda ins Spiel gebracht. Umso mehr, als er wie vorige Woche angekündigt großzügig 100 AUA-Mitarbeiter übernehmen möchte. Doch eine Übernahme oder einen Teilkauf der AUA plant Lauda, nach eigenen Angaben, nicht. Die AUA möchte ich nicht übernehmen, bloß 100 ihrer Mitarbeiter, sagt die Formel-1- Legende gegenüber NEWS.
Ob die AUA insgesamt noch ein gutes Geschäft wird, steht in den Sternen. Ob die AUA beim Poker der Lufthansa zerrieben wird, ist ebenfalls ungewiss. Vor drei Monaten plante man bei der Lufthansa schon für Mitte Juli eine Willkommensparty der AUA im Lufthansa-Himmel. Der Sekt liegt jetzt auf Eis die Stimmung auch.
David Hell
Lesen Sie im NEWS 29/08 über Spitzelvorwürfe gegen Niki Lauda!

