Wird Leben in Österreich zum Schnäppchen?
Preise stagnieren erstmals seit 43 Jahren
- Inflationsrate erreichte im Juni Null-Prozent-Marke
- Wirtschaft fürchtet Eintreten eines Horrorszenarios

·Österreich hat mehr
geleistet als erwartet
Wirtschaft ist im Vorjahr
um 2 Prozent gewachsen
·Brüssel: Milchhilfe bis 2010 verlängert
Laut EU "sinnvoll" für Markt-Ausgewogenheit
Des einen Freud ist des andren Leid: Erstmals seit August 1966 haben sich die Verbraucherpreise in Österreich dank einer Inflation von 0,0 Prozent nicht erhöht. Für die Wirtschaft wird damit ein Horror-Szenario wahr, die Verbraucher allerdings dürfen sich über niedrigere Preise freuen. Stabil waren die Kosten nämlich sowohl im Vergleich zu Juni 2008 als auch zum Mai 2009. Im Euro-Raum ist bereits eine leichte Deflation zu spüren.
Sinken die Preise für Autos, Fernseher und viele andere Waren und Dienstleistungen erst einmal, lauern die Verbraucher auf noch günstigere Angebote. Sie wollen nicht heute kaufen, was morgen noch billiger werden könnte. Das kann schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft haben.
Umsatz und Gewinne der Unternehmen brechen ein. Sie treten auf die Kostenbremse, investieren nicht mehr, bauen massiv Stellen ab. Die verunsicherten Verbraucher scheuen dann erst recht größere Anschaffungen. Der Konsum als wichtigster Motor der Binnenkonjunktur wird abgewürgt - ein Teufelskreis!
Negativer Trend seit Monaten
Im Mai dieses Jahres hatte die Inflationsrate im Jahresvergleich noch 0,3 Prozent betragen, im April waren es 0,7 Prozent gewesen und im März 0,8 Prozent. Der nach diesem kontinuierlichen Rückgang jetzt eingetretene Stillstand wurde, wie in den letzten Monaten, hauptsächlich durch den statistischen Basiseffekt bei Treibstoffen und Heizöl verursacht, also die starke Teuerung im Vorjahr.
Hauptpreisdämpfer war im Jahresabstand die Ausgabengruppe Verkehr mit einem Minus von 6,7 Prozent, Hauptpreistreiber die Ausgabengruppe "Verschiedene Waren und Dienstleistungen" mit plus 3,4 Prozent, was laut Statistik Austria vor allem durch höhere Preise bei Versicherungen verursacht ist.
Erziehung und Unterricht billiger
Niedriger waren im Vergleich zum Vorjahresmonat auch die Ausgaben für Erziehung und Unterricht. Deutlich höhere Preise gab es dagegen beispielsweise bei Versicherungen und Körperpflege. In der Ausgabengruppe "Wohnen, Wasser, Energie" gab es einen Anstieg um 1,5 Prozent: Wohnungsmieten erhöhten sich dabei aber um fünf Prozent, Heizöl verbilligte sich um 39 Prozent. Teurer waren auch Strom.
In der Eurozone ist die Inflation erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen vor zwölf Jahren negativ ausgefallen. Die jährliche Teuerungsrate fiel im Juni auf minus 0,1 Prozent. Damit sanken die Preise im statistischen Durchschnitt erstmals anstatt zu steigen.
(apa/red)

