Mittwoch, 15. Juli 2009

Dubliner wollen den Bullen ein Bein stellen:
Furchtlose Iran glauben an Quali-Chance

  • Außenseiter fehlen Jungstar Carey und Kapitän Heary
  • Bohemians Dublin vertrauen auf Sturmtank Byrne

Sie glauben an ihre Chance. Alles andere würde auch nicht dem Naturell des irischen Fußballs entsprechen. Seit Sonntagabend bereitet sich Bohemians Dublin in Salzburg auf sein Europacup-Abenteuer vor. Die Iren sind sich ihrer Rolle als Außenseiter in der zweiten Quali-Runde zur Champions League wohl bewusst, wollen sich dem ÖFB-Meister heute abend (20.30 Uhr/live ORF1) aber sicher nicht kampflos geschlagen geben.

"Wir haben Ambitionen und wollen die nächste Runde erreichen", versicherte Bohemians-Trainer Pat Fenlon. "Ich habe das Gefühl, dass wir auch hier ein Tor erzielen können." Diesbezüglich ruhen die Hoffnungen vor allem auf Sturmtank Jason Byrne. Der bullige 1,87-m-Mann ist der Prototyp des britischen Angreifers, hat in der laufenden Saison in 19 Ligaspielen 15 Tore erzielt. Salzburg-Trainer Huub Stevens hat ihn als den entscheidenden Mann ausgemacht.

Byrne hat zwei Länderspiele für Irland bestritten, aktueller Nationalspieler spielt aber keiner in der Heimat. Der ehemalige Bullen-Coach Giovanni Trapattoni setzt als irischer Teamchef ausschließlich auf Kicker, die in England oder Schottland spielen. Zudem müssen die Bohemians in Salzburg auf ihren Jungstar verzichten. Irlands U21-Teamkapitän Graham Carey ist nicht spielberechtigt, weil sein Leihvertrag mit Celtic Glasgow nicht fristgerecht verlängert worden ist. Dazu fehlt Kapitän Owen Heary gesperrt.

Die Favoritenrolle liegt ganz klar bei den Salzburgern. "Red Bull hat eine sehr gute Mannschaft, keine Frage. Aber es ist schwer zu sagen, wie gut sie wirklich sind. Sie stehen noch in der Vorbereitung", erinnerte Fenlon. Große europäische Ehren haben die Bohemians bisher nicht vorzuweisen. Die größten Erfolge waren der Aufstieg gegen Aberdeen und ein Auswärtssieg (1:0) in Kaiserslautern im Jahr 2000 im UEFA-Cup. Im Vorjahr kam in der zweiten UI-Cup-Runde gegen den lettischen Vertreter FK Riga das Aus.

Lieber Freigeister als Vagabunden
National sind die "Gypsies" (Zigeuner), so der Spitzname des Clubs, zehnfacher Meister und siebenfacher Cupsieger, haben zuletzt das dritte Mal in ihrer Geschichte das Double geholt. Gegründet worden war der Verein 1890, als Name waren "Rovers" und "Bohemians" zur Auswahl gestanden. Die Versammlung sah sich aber offensichtlich dem individuellen Lebensstil der Boheme näher, entschied sich für die "Freigeister" und gegen die "Vagabunden".

Ihr Spitzname ist ihnen bis heute geblieben, nach Salzburg folgen den "Gypsies" knapp 400 Fans. Im heimischen Dalymount Park, in dem am 22. Juli das Rückspiel stattfindet, haben 7.400 Zuschauer Platz. Das Stadion ist in der Liga aber höchst selten voll, finanziell geht es dem Club nicht übermäßig gut. Der internationale Durchbruch könnte Abhilfe schaffen. "Es wäre großartig, wenn uns das heuer gelingt", meinte Abwehrchef Brian Shelley. "Wir wissen alle, dass uns das den Job retten könnte." Druck lastet also nicht nur auf den favorisierten Bullen - sondern auch auf dem Außenseiter.
(apa/red)

15.7.2009 07:45