Montag, 13. Juli 2009

Der Rivale aus dem eigenen Renn-Team:
Webber nimmt Vettel wichtige Punkte weg

  • 32-jähriger Australier siegt erstmals nach 131 Rennen
  • Barrichello steckt wieder nur in der Helfer-Rolle fest

Für Sebastian Vettel gab es bei seiner Rückkehr zum Red-Bull-Motorhome nur freundlichen Applaus. Ausgelassen war der Jubel erst, als Teamkollege Mark Webber nach seinem Sieg im Großen Preis von Deutschland und dem anschließenden Interview-Marathon in der Fahrerlager-Residenz des Energy-Drink-Herstellers auftauchte. Mit La-Ola-Wellen und Champagnerdusche wurde der Australier nach seinem Premieren-Erfolg in der Formel 1 gefeiert.

Und spätestens da war auch dem im Heim-GP zweitplatzierten Vettel klar: Sein größter Titelrivale neben dem zuletzt schwächelnden englischen WM-Spitzenreiter Jenson Button sitzt im eigenen Rennstall. "Es ist ein guter Kampf zwischen uns", stellte der junge Deutsche betont sachlich fest.

Vettel oder Webber - Teamchef Christian Horner wollte sich nach dem zweiten Doppelerfolg der "Roten Bullen" en suite nicht festlegen, wer in der zweiten Saisonhälfte erster Jäger von Brawn-Pilot Button ist. "Sie liegen ja beide ganz nahe beieinander, was die Punkte angeht", meinte der Brite am Nürburgring und erklärte: "Teamorders sind nicht erlaubt, sie fahren gegeneinander."

Bei Red Bull macht es derzeit der Mix. Die Zutaten: das stärkste Auto, das größte Formel-1-Talent und ein Routinier, der nun nach dem ersten Sieg im 131. Grand Prix seiner Karriere so richtig aufblühen könnte. Der 22-jährige Vettel eroberte mit seiner Unbekümmertheit die Formel 1 im Sturm. Er ist der stärkste Teamkollege, den der zehn Jahre ältere Webber je hatte, und dessen beste Motivation.

Vom Krankenhaus zum GP-Sieg
Mit seinem Premierenerfolg wurde für den 32-Jährigen ein Märchen wahr. Noch im November drohte ihm nach einem schweren Rad-Unfall auf Tasmanien das Karriereende. Eine komplizierte Beinfraktur und ein Schulterbruch machten Webber zu schaffen. Doch er kämpfte sich heran, brachte sich wieder in Form, während Vettel ihren Dienstwagen in Testfahrten auf Vordermann brachte. "Es war ein schwieriger Winter", erinnerte sich Webber, der noch immer gehandicapt ist und nicht richtig gehen kann. "Sebastian hat in den Wintertests gezeigt, wozu das Auto in der Lage ist. Das hat mir viel Motivation gegeben."

Noch ist in der WM-Wertung der Brite Button vorn, doch sein Überraschungs-Team schwächelt plötzlich. In der Eifel erreichte erstmals weder der Brite noch sein Teamkollege Rubens Barrichello einen Podestplatz. Button liegt derzeit mit 68 Zählern 21 Punkte vor Vettel (47), Webber hat nur 1,5 Punkte weniger als sein Teamkollege. Barrichello (44) rutschte auf Rang vier zurück.

Luxusproblem als Nachteil
Das Luxusproblem, zwei Titelkandidaten zu haben, könnte für Red Bull noch zum Nachteil werden. Button kann hoffen, dass sich die beiden Rivalen gegenseitig die Punkte wegnehmen. Er darf hingegen bei Brawn GP auf seinen Nummer-1-Status bauen. Barrichello muss sich wie schon in den Ferrari-Jahren an der Seite von Rekordweltmeister Michael Schumacher mit der Rolle des Helfers begnügen - sehr zu seinem Ärger.

Nach dem Grand Prix auf dem Nürburgring schimpfte der 37-Jährige über seine Benachteiligung. "Ich bin unheimlich verärgert. Wenn es so weitergeht, verlieren wir die Weltmeisterschaft noch", wetterte der Brasilianer. Erst ein Problem mit dem Tankstutzen, weswegen er einmal mehr als geplant an die Box musste, und dann verlor er auch noch seinen fünften Platz an Button - das war zu viel für den Südamerikaner.

Webber hat indes in der Red-Bull-Schmiede in Milton Keynes ganz andere Sorgen ausgemacht: "Das große Problem in unserer Firma ist im Moment, eine Vitrine für unsere Trophäen zu bauen."

(apa/red)

13.7.2009 14:51
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