Bestürzung nach brutalem Mord: Russische Menschenrechtlerin entführt und ermordet
- EU verurteilt Tat scharf: Rasche Aufklärung gefordert
- Präsident Medwedew will entschlossene Aufklärung

Im Nordkaukasus ist die bekannte russische Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa verschleppt und ermordet worden. Der russische Präsident Dmitri Medwedew reagierte mit Empörung auf die Ermordung Estemirowas. Auch international sorgte der brutale Mord für Bestürzung. Die EU verurteilte die Tat auf das Schärfste. In einer Erklärung der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft werden die russischen Behörden aufgefordert, den Mord "schnell und gründlich aufzuklären" und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.
Der neue Präsident des EU-Parlaments, Jerzy Buzek, reagierte im Namen der Europaabgeordneten mit "großer Trauer" auf den "tragischen Tod" der 50-jährigen Aktivistin. Er forderte die Behörden in Moskau auf, eine Untersuchung einzuleiten und alles zu tun, um die Mörder vor Gericht zu bringen. Außenminister Spindelegger sprach von einem "besorgniserregenden Klima der Gewalt und der Einschüchterung in Tschetschenien". Auch die USA reagierten "tief betrübt" auf den Tod der Menschenrechtsaktivistin. Außenamtssprecher Ian Kelly forderte die russische Regierung in einer Erklärung auf, die Verantwortlichen zu finden.
Die Menschenrechtlerin war in Grosny, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, entführt worden. Wenige Stunden später wurde ihre Leiche in der Nachbarrepublik Inguschetien entdeckt. Wie die 2006 ermordete Anna Politkowskaja schrieb sie regelmäßig Beiträge für die oppositionsnahe Zeitung "Nowaja Gaseta".
Medwedew für entschlossene Aufklärung
Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat indes die Entschlossenheit geäußert, den Mord an der Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa aufzuklären. Das Verbrechen werde auf das Gründlichste untersucht, sagte Medwedew nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Oberschleißheim bei München. Merkel verurteilte den Mord an der russischen Menschenrechtsaktivistin als "nicht hinnehmbares Ereignis".
Aktivistin kritisierte Regierung scharf
Die Aktivistin zählte zu den führenden Mitarbeitern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial im Kaukasus. Estemirowa hatte die Öffentlichkeit nicht nur während des Tschetschenien-Krieges über mit staatlicher Duldung begangenen Verbrechen an Zivilisten informiert. Dabei gab es immer wieder Berichte über grobe Menschenrechtsverstöße wie Entführungen und Folter vor allem durch die Miliz des Kreml-treuen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow. Sie war seit Jahren Bedrohungen von Staatsorganen ausgesetzt, wie Zeugen berichten.
Memorial hat den Kreml-treuen tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow die Schuld am Mord Estemirowas gegeben. Memorial-Chef Oleg Orlow erklärte, Kadyrow sei "schuld". (apa/red)
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