U-Ausschuss-Vorsitzender Bartenstein
im NEWS-Talk: "Es ist Feuer am Dach"
- Spitzelaffäre: "Selbstschutzmechanismus der Politik"
- Ex-Minister schließt Gesetzesänderungen nicht aus

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Von einem Comeback auf hoher politischer Ebene will er nicht sprechen. Das halte ich für übertrieben, wir befinden uns doch nicht in einer Sportarena, sagt der steirische Pharma-Unternehmer Martin Bartenstein, der nach 14-jähriger Regierungstätigkeit als Wirtschaftsminister nunmehr als einfacher ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat plötzlich im tagesaktuellen Zentrum der Innenpolitik steht als Vorsitzender des Spionage- Untersuchungsausschusses.
Bartensteins Ziel als überparteilicher Vorsitzender, der ich sein will, ist ehrgeizig: Anders als bei früheren parlamentarischen U-Ausschüssen zu Eurofightern oder Banken müssten Ergebnisse und ein konkreter Endbericht herauskommen auch für dann von ihm nicht auszuschließende gesetzliche Folgemaßnahmen. Um, so Bartenstein im NEWS-Gespräch kurz vor Start des U-Ausschusses, in diesem Land jedenfalls den sorgfältigen Umgang mit den Bürgerrechten sicherzustellen
NEWS: Was sagen Sie zum Widerstand der Opposition, Sie seien kein Jurist, dazu Minister aus der zu untersuchenden Zeit und vor allem ÖVP-Mann, wo doch zwei VP-Minister involviert wären?
Bartenstein: Was meine Ministerschaft anlangt: Als Wirtschaftsminister war ich nicht einmal am Rande mit diesen Fragestellungen befasst. Nein, ich will das Positive in den Mittelpunkt stellen: Erstmalig ein Fünf-Parteien-Antrag, alle ziehen in Sachen U-Ausschuss an einem Strang. Erstmals war nicht Kritik an einem Minister oder an einer Partei Auslöser für diesen U-Ausschuss, sondern in Wahrheit tiefe Betroffenheit über alle Fraktionen hinweg. Wenn einmal ein Peter Pilz (Grüne) ausrückt, um einen Peter Westenthaler (BZÖ) zu schützen, dann zeigt das, dass Feuer am Dach ist in der Causa, wo ein Abgeordneter und Vize-Klubchef, obwohl nur Zeuge, Objekt bzw. Ziel einer Rufnummernerfassung bzw. Überwachung gewesen ist.
NEWS: Was ist Ihr persönliches Ziel in der Vorsitzführung?
Bartenstein: Dieser U-Ausschuss bietet die Chance, das Aufdecken von kritischen Umständen in den Mittelpunkt zu stellen, was in manchem auch ein Selbstschutzmechanismus für die Politik ist das gilt in der Causa Westenthaler wie in den beiden anderen Causen. Und es geht auch um die Bürger dieses Landes, die auch nicht unversehens Gegenstand oder Opfer von Telefonüberwachungen werden möchten.
NEWS: Was wäre für Sie das optimale Ausschuss-Ergebnis?
Bartenstein: Dass wir in Sachen Bürgerrechte, bei der Gratwanderung zwischen vollem Einsatz moderner Technologien zur Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und andererseits dem Schutz von Bürgerrechten ein Stück vorankommen. Und auch, dass die Bürger dieses Landes am Ende sagen, es war gut und wichtig, diesen Ausschuss gemacht zu haben.
NEWS: Kann am Ende, als Ergebnis, auch eine neue Gesetzeslage nötig werden? Etwa, dass die Geheimdienste Österreichs auf neue, auf bessere Beine gestellt werden?
Bartenstein: Ich schließe zu Beginn dieses Ausschusses nichts aus, auch nicht, dass es zu gesetzlichen Reaktionen auf manches kommt. Aber ob und was das ist bzw. sein wird, das wird man sehen.
Interview: Hubert Wachter
Mehr zur Spionage-Affäre lesen Sie im NEWS 29/07
