Jacksons kleine Tochter und die Tränen:
Ihr Auftritt hinterlässt zwiespältige Gefühle
- Ergreifender Höhepunkt oder bloßer Voyeurismus?
- Kritik an Auftritt: "Das war Holzhammer-Methode"
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Tief bewegt oder peinlich berührt? Einen Tag nach der Trauerfeier für Michael Jackson in Los Angeles herrscht Uneinigkeit über die Bewertung des Großereignisses. Vor allem der emotionale Auftritt von Jacksons Tochter Paris (11) sorgte dabei für Diskussionen. In den USA wurde der Auftritt und die gesamte Trauerfeier, die Jackson alles in allem zu rehabilitieren versuchte, zunächst als würdevoll und gelungen gelobt.
Auch in Deutschland titelte die "Bild"-Zeitung: "Tochter rührt die Welt zu Tränen". Doch wurden auch Stimmen des Unbehagens laut. War der Auftritt des weinenden Mädchens ("Seit ich geboren wurde, war Daddy der beste Vater, den man sich vorstellen kann") der ergreifende Höhepunkt - oder, weil er bloß Voyeurismus bediente, ein Tiefpunkt der "Show"?
"Das war Holzhammer-Methode"
Nun legte die "Society-Expertin" des Sat.1-Frühstücksfernsehens, Sibylle Weischenberg, los: "Das ist immer ein rührender Moment, wenn die Kinder des Toten trauern oder die Kinder, die in seiner Obhut waren. Aber, das kann ja nicht die Maßgabe sein." Dann führte sie weiter aus, dass der Jackson-Clan offensichtlich weiter seinem Muster folge und Kinder "vorführe". Der Auftritt sei im Grunde bloß ein Statement an den Richter gewesen, der demnächst entscheiden soll, wo die Kinder aufwachsen. Über die Tochter sagte Weischenberg: "Die durfte nie mit der Öffentlichkeit sprechen und musste jetzt. Man hielt ihr noch das Mikrofon hin, damit sie verdammt noch mal den Eindruck erweckt: "Die Kinder sind bei uns gut aufgehoben" (...) Das war Holzhammer-Methode. Es war ganz furchtbar."
Schützende Schranke fiel weg
In diesem Zusammenhang fällt erneut auf, dass es in Amerika einen anderen Umgang mit Kindern von Prominenten gibt. Während viele Stars im deutschsprachigen Raum ihre minderjährigen Kinder von der Öffentlichkeit fernhalten, ist es in den USA zumindest üblicher, mit den Kleinen aufzutreten. Umstrittene Beispiele der vergangenen Jahre sind dabei sicherlich die Promi-Paare Tom Cruise/Katie Holmes und ihre Tochter Suri oder das Power-Paar Brad Pitt/Angelina Jolie und ihr Nachwuchs. Zu seinen Lebzeiten hatte Michael Jackson seine geheimnisvoll gezeugten Kindern eigentlich streng abgeschottet. Nun, nach seinem Tod, ist diese Schranke plötzlich weg - in seinem Sinne?
Zwiespältige Gefühle
Der Medienpsychologe Jo Groebel sagte der dpa: "Der Moment, in dem die Tochter auftrat, hat bei mir und bei vielen anderen, glaube ich, zwiespältige Gefühle hinterlassen." Auf der einen Seite habe man das Gefühl gehabt: "Ein Kind gehört nicht so deutlich ausgestellt." Auf der anderen Seite müsse man aber auch sagen: "Das war ein Moment, in dem Michael Jackson sehr lebendig wurde. Während er lebte, hatte man ja immer das Gefühl, es ist alles sehr künstlich." Groebel erinnerte daran, dass auch bei John F. Kennedy 1963 der damalige Präsidentensohn zu sehen war - berühmt das Bild, auf dem der Dreijährige vor dem Sarg seines Vaters salutiert. Eigentlich sei doch klar: "Ein Kind gehört natürlich auf die Trauerfeier seines Vaters."
Bei der Zahl der TV-Zuschauer blieb die Trauerfeier für Jackson in Deutschland übrigens deutlich unter der Zeremonie für Prinzessin Diana 1997. Während damals mehr als 16 Millionen einschalteten, waren es jetzt bei Jackson gut sechs Millionen weniger. Unvergessen ist, wie der damals zwölf Jahre alte Prinz Harry von seiner Mutter Abschied nahm - ohne Worte, mit Würde. Auf dem Rosengesteck auf dem Sarg stand schlicht: "Mummy". (apa/red)
