Dienstag, 7. Juli 2009

Das Geschäft mit dem Tod: Michael Jackson lässt noch einmal die Kassen richtig klingeln

  • Unzählige Devotionalien, CD-Verkäufe steigen rasant
  • Konzertveranstalter könnte sogar Gewinne machen

Für Michael Jacksons Fans ist sein Tod ein tragisches Unglück, für viele Geschäftemacher ein unerwarteter Glücksfall: Ob T-Shirt-Verkäufer oder milliardenschwerer Musikunternehmer - alle wittern nach dem plötzlichen Ableben des Popidols das große Geschäft. Innerhalb von Stunden nach der Nachricht von seinem Tod am 25. Juni tauchten bei Straßenhändlern die ersten Jackson-Gedenk-T-Shirts auf. Touristenführer in Hollywood nahmen die Villa, in der Jackson starb, unverzüglich in ihr Tourenprogramm auf. Auch die Verkaufszahlen seiner Platten explodierten.

Als Gewinner könnte auch AEG Live hervorgehen, der Veranstalter der 50 Comeback-Konzerte, die mit Jackson in London geplant waren. Bisher wandte die Agentur umgerechnet bis zu 21,5 Millionen Euro für die Vorbereitung der Shows auf. Gut 60 Millionen Euro würde es das Unternehmen kosten, den rund 750.000 Ticketkäufern ihr Geld zurückzuerstatten. Aber AEG Live-Geschäftsführer Randy Phillips erklärte in den Medien, viele Fans würden auf das Geld verzichten und stattdessen die Karten als einzigartiges Andenken an ihr Idol behalten. Statt potenziell katastrophaler Verluste könnte die Agentur so sogar Gewinne einfahren.

100 Stunden Doku-Material
Auch die umfangreichen, hochauflösenden Video- und Audio-Aufnahmen von Jacksons Proben für die Konzerte könnten sich als wahre Goldmine erweisen, insbesondere weil der "King of Pop" nie ein Live-Konzert-Album veröffentlichte. "Wir haben mehr als 100 Stunden Doku-Material in High Definition-Technik von jedem einzelnen Treffen, jeder einzelnen Probe", sagt Phillips. "Das ist wirklich das letzte große Werk eines Genies des 20. Jahrhunderts." Zudem ist AEG Live mit zwölf Millionen Euro versichert, sollte sich der Tod Jacksons als Unfall erweisen.

Die Verkaufszahlen der Jackson-Platten schossen in den zehn Tagen nach seinem Tod in die Höhe und eroberten damit die Charts in den USA und Großbritannien. Im US-Musikmagazin "Billboard" belegten die Alben am vergangenen Mittwoch neun der ersten zehn Plätze in der Kategorie "Top Pop Catalog Albums".

Ansturm auf Alben
Das Album "Number Ones" toppte die Charts in der letzten Juniwoche mit 108.000 verkauften Exemplaren, gefolgt von "The Essential Michael Jackson" mit 102.000 und "Thriller" mit 101.000 Stück. Nach Angaben von "Billboard" gingen von Jacksons Soloalben in der vergangenen Woche 415.000 Stück über den Ladentisch, verglichen mit lediglich 10.000 in der Woche vor seinem Tod.

"Die Dominanz von Michael Jackson bei den 'Top Pop Catalog Albums' hat es in dieser Form bei den Billboard Hitlisten noch nie gegeben, weder zu Lebzeiten eines Künstlers noch nach seinem Tod", sagte Chart-Chef Silvio Pietroluongo der "New York Times". Nach Einschätzung von Analysten könnte der Verkaufsboom noch einige Monate anhalten.

Größte Verkaufssteigerung
Der britische Musikladenkette HMV meldete eine achtzigmal höhere Nachfrage nach dem Jackson-Pop "fast über Nacht" - "die größte Steigerung der Verkaufszahlen innerhalb eines Tages, die es je bei einem Künstler gab", Elvis Presley und John Lennon eingeschlossen.

Beim Online-Auktionshaus Ebay standen neun Tage nach Jacksons Tod, mehr als 53.000 Jackson-Artikel zum Verkauf. Die Preisspanne reichte von 15 Millionen Euro für ein Paket Webdomains - mit Namen wie www.moonwalkingmichael.com - bis zu ein paar Cents für Fotos der Ikone. Fast 16.600 Artikel waren Musikaufnahmen und fast 20.500 Memorabilien.

(apa/red)

7.7.2009 13:51