Skandal um "Schummelschinken": Nach
Käseimitat nun falscher Schinken am Markt
- Konsumentenschutz: "Problem ist Kennzeichnung"
- Vor allem Fertiggerichte und Gastronomie betroffen

Nach der Diskussion um Käseimitate sorgt nun in Deutschland falscher Schinken für Aufregung, der häufig auf Pizzas und in Fertiggerichten landet. Ein Thema dürfte das nach Einschätzung von Konsumentenschützern auch in Österreich sein. Allerdings ist hierzulande genau kodifiziert, was Schinken ist, das heißt, aus welchen Zutaten dieser zu bestehen hat. "Daher ist die Problematik doch unterschiedlich zu anderen Lebensmittel wie Käse, die komplett nachgemacht werden können", sagte Egon Kipf von der Marktamtsdirektion der Stadt Wien. "Mit Kunstfleisch hat das nichts zu tun."
In Bayern sorgte jüngst "Analogschinken" mit zu hohem Wasseranteil und zu vielen Bindemitteln für Aufregung. In Österreich ist seit Jahren das Problem bekannt, "dass Kleinfleisch dem Schinken beigemengt wird", sagte Kipf. Im Großhandel wird dieses Produkt als Pizzablock bezeichnet, es ist kein rein chemisch hergestelltes Lebensmittel. Das Problem sei eher, dass es in der Gastronomie aber als Schinken bezeichnet wird. "Mit Kunstfleisch hat das aber nichts zu tun."
In die gleiche Kerbe schlägt Konsumentenschützer Heinz Schöffl von der Arbeiterkammer (AK) Wien. "Das Problem ist, dass es keine Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie gibt", sagte er. Es werden Dinge angeboten, die nicht entsprechen. "Man soll nur das anbieten, was man bewirbt", meinte Schöffl. Es handle sich dabei weniger um ein Schinkenimitat als um eine andere Produktqualität.
Kennzeichnung gefordert
Gesundheitsminister Alois Stöger hat sich für die "klarere Kennzeichnung von Lebensmitteln, insbesondere im Gastro- und Gemeinschaftsverpflegungsbereich" ausgesprochen. Gesundheitlich seien die am Markt befindlichen Produkte wie die aktuell thematisierten "Kunstkäse" und "Schummelschinken" unbedenklich. Die Konsumenten hätten jedoch das Recht klar erkennen zu können, was auf ihrem Teller landet, hieß es. Der Minister setze sich daher für EU-weit einheitliche Begriffe ein, die "der Sensibilität der Verbraucher" bei bestimmten Lebensmitteln entsprechen.
Das Thema sei auch weniger, ob ein falscher Schinken gesünder oder schädlicher sei, als "die Verbrauchertäuschung", sagte Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). "Wenn ich Schinken erwarte, soll ich diesen auch bekommen", forderte sie.
Fertiggerichte und Gastronomie betroffen
Dass im Supermarkt angebotener Schinken hierzulande oft zu wässrig ist, hat sich beispielsweise bei einem Test des Verbrauchermagazin "Konsument" im Jahr 2005 gezeigt. "Ich glaube aber, dass es bei Produkten, die man im Supermarkt kauft, weniger das Problem ist", sagte Beck. "Sondern eher bei Fertiggerichten und in der Gastronomie."
Der Tipp der Konsumentenschützer für Verbraucher: Bei Fertiggerichten auf die Zutatenliste achten. Je länger diese ist und je mehr E-Nennungen darauf zu finden sind, umso länger wurde das Produkt verarbeitet. Kurz gesprochen: Je kürzer die Zutatenliste umso besser. (apa/red)
