Freitag, 10. Juli 2009

'Hunger in Afrika' als G 8-Frühstücksthema: 20 Milliarden Dollar für die ärmsten Bauern

  • Weichen für Entwicklungspolitik wurden neu gestellt
  • Plus: Merkel lobt Fortschritte in Klimaschutzdebatte

Milliardenschwere Hilfe zur Selbsthilfe: Die ärmsten Bauern der Welt können auf 20 Milliarden US-Dollar (14,4 Milliarden Euro) hoffen. Zum Abschluss ihres Gipfels im italienischen L'Aquila stellen die führenden Industriestaaten und Russland (G-8) die Weichen der Entwicklungspolitik neu.

Damit erhöhten sie die ursprüngliche geplante Summe um fünf Milliarden Dollar, wie der italienische Ministerpräsident Berlusconi sagte. Die Aufstockung sei nach einem Treffen mit afrikanischen Staats- und Regierungschefs beschlossen worden. Die G-8-Führer konferierten am Freitagvormittag mit ihren Kollegen aus Algerien, Nigeria, Senegal, Ägypten, Angola sowie Libyen, das derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union inne hat.

Produktion ankurbeln
Die Industriestaaten wollen künftig nur noch bei Notfällen Nahrungsmittel in ärmere Länder schicken, und stattdessen den dortigen Bauern dabei helfen, bessere Ernten einzufahren. Entwicklungshilfeexperten kritisieren seit Jahren, dass Nahrungsmittellieferungen einheimische Bauern in den Ruin treiben, die der ausländischen Konkurrenz nicht standhalten.

Die Hilfsorganisation Oxfam begrüßte die finanziellen Zusagen, forderte aber weit größere Hilfen. Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale argwöhnte, dass die G-8-Staaten "bloße Rechenspiele" angestellt und nur ihre Entwicklungshilfebudgets umgeschichtet hätten.

Berlusconi: Treffen "großer Erfolg"
G-8-Gastgeber Berlusconi wertete das Treffen als "großen Erfolg". Vom Gipfel sei in der Finanz- und Wirtschaftskrise ein Signal der Hoffnung ausgegangen. Berlusconi würdigte vor allem, wie viel US-Präsident Obama zu den Fortschritten beigetragen habe: "Obama hat uns alle überrascht." Der US-Präsident bezeichnete den Kampf für einen Aufschwung der Weltwirtschaft weiterhin als eine der größten Herausforderungen für die Staaten.

Fortschritte beim Klimaschutz
Merkel wertete den Gipfel, der Fortschritte in der Klimaschutzdebatte brachte, als gelungen: "Die Welt ist ein Stück zusammengerückt." Mit der Einigung von Industrie- und Schwellenländern, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, gebe es zum "allerersten Mal einen festgelegten Rahmen" für die UNO-Klimaverhandlungen.

Die Debatte über die Zukunft der Gruppe der Acht mit ihren Mitgliedern USA, Kanada, Russland, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien ging indes weiter. Merkel will die im Zuge der Finanzkrise geschaffene G-20 aus Industrie- und Schwellenländern zum maßgeblichen Gremium machen. Auch der französische Präsident Sarkozy will eine G14-Gruppe einsetzen. (apa/red)

10.7.2009 15:56