Flughafen wird zur Sache des Parlaments:
Boss Kaufmann hat Prüfungen eingeleitet
- Parteien drängen auf einen Untersuchungsausschuss
- Kosten explodierten auf das Doppelte der Planungen

·Am Flughafen Wien
wird die Luft dünner
Rückgang der Passagiere
um 10,5 Prozent im Juni
·Ex-Flughafen-Boss
erhält volle Bezüge
profil: Domany kassiert
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Der Wiener Flughafen, genauer die Kostenexplosion des mittlerweile rund 830 Millionen Euro statt ursprünglich 400 Millionen Euro teuren neuen Terminals Skylink, wächst sich jetzt zum Politikum aus. Wie NEWS in Erfahrung bringen konnte, wollen mehrere Parlamentsfraktionen einen Untersuchungsausschuss zum Skylink einsetzen. Skandalgerüchte über Parteienfinanzierungen werden bereits gestreut.
Ein U-Ausschuss kann zwar durch die Regierungsparteien abgelehnt werden, aber eine Prüfung durch den Rechnungshof (RH) wird zumindest stattfinden. Dazu findet Flughafenvorstand Herbert Kaufmann im Gespräch mit NEWS klare Worte: Gegen eine Prüfung durch den Rechnungshof haben wir keinen Einwand. Es muss nur rechtlich geklärt sein, dass der Rechnungshof auch zuständig ist. Diese Zuständigkeit sieht RH-Präsident Josef Moser mit der Beherrschung der Hauptversammlung des Flughafens durch die Länder Wien und Niederösterreich gegeben, die in Sachen Flughafen mit ihrem insgesamt 40-Prozent-Anteil ein Syndikat bilden.
Fehleinschätzungen
Der Flughafenvorstand hat als Konsequenz der Kostenüberschreitung die Reißleine gezogen, indem die Verantwortlichen Personen ausgewechselt, eine Untersuchung eingeleitet und ein sofortiger Baustopp für den Skylink verfügt wurde, erklärt Vorstandssprecher Kaufmann.
Als Ende 2005 mit dem Bau des neuen Terminals begonnen wurde, waren 402 Millionen Euro budgetiert. 2007 kam es zur ersten Teuerung. Im Sommer 2008 erhöhten sich die Kosten schließlich auf 657 Millionen Euro. Dieses Budget hatten wir aufgrund von nachvollziehbaren Kostensteigerungen beschlossen, und diese Summe wurde uns bis Ende Februar 2009 als haltbares Budget bestätigt, erklärt Kaufmann. Als es danach plötzlich hieß, die Kosten könnten auf bis zu 830 Millionen Euro steigen, wurde Alarmstufe Rot ausgelöst. Eine Untersuchung wird jetzt klären, wie es zu den Fehleinschätzungen kam und wieso wir unrichtig informiert wurden, so Kaufmann.
Viele Probleme
Noch kann der Vorstand nicht ausschließen, dass es zu Malversationen gekommen ist. Ob der Flughafen betrogen wurde, ist ein wesentlicher Gegenstand der Prüfung, versichert Kaufmann. Auch den kursierenden Vorwurf versteckter Parteienfinanzierungen nimmt er ernst: Wir werden auch das extrem genau prüfen. Aber bis jetzt gibt es nicht das geringste Indiz dafür. Die Untersuchungen könnten noch ergeben, dass Haftungen für Planer, Konsulenten oder Bauausführende schlagend werden, durch die sich der Flughafen in Teilbereichen schadlos halten kann. Das ist durchaus möglich, so Kaufmann.
Sorgen im Vorstand
Die Verantwortung für den Bau des Skylink hatte Flughafenvorstand Christian Domany, der Ende Februar von Ernest Gabmann abgelöst wurde. Vorstandskollege Gerhard Schmid und ich haben unsere Kontrollfunktion nachweislich wahrgenommen, sieht Kaufmann die klare Zuständigkeit. Trotzdem geraten er und Schmid, die im Gegensatz zu Domany und jetzt Gabmann als rote, Wien nahestehende Vorstände gelten, unter Beschuss. Er will jetzt die Kosten des Projektes deutlich unter 830 Millionen Euro senken. Das wird uns gelingen, so Kaufmann.
Markus R. Leeb
Lesen Sie im aktuellen NEWS, welche Köpfe am Flughafen Wien nun rollen müssen.

