Mittwoch, 8. Juli 2009

Chinesischer Autobauer steigt aufs Gas:
Rennen um Opel wird zum Duell mit Magna

  • Autobauer BAIC stellt verlockendes neues Angebot
  • Angst vor Technologie-Transfer kommt Magna zugute

Das Rennen um Opel wird auf der Zielgeraden noch einmal richtig spannend. Nachdem sich der austro-kanadische Magna-Konzern in den Verhandlungen mit Opel-Mutter General Motors (GM) einen Vorsprung auf seine Konkurrenten erarbeiten konnte, mausert sich nun ein chinesischer Bewerber zum hartnäckigsten Verfolger: Der Autobauer Beijing Automotive Industry Holding Co. (BAIC) hat bei GM ein attraktives Angebot hinterlegt, um Spitzenreiter Magna im Foto-Finish doch noch auszubooten und den Zuschlag für die marode Autoschmiede Opel zu erhalten. Als Hauptpreis erhofft sich BAIC ein Tor zur westlichen Technologie: "Die Industrialisierung Chinas braucht Zugang zu geistigem Eigentum", gesteht BAIC den Grund für das große Interesse ein.

Im Detail sieht das chinesische Angebot vor, bei Opel und der parallel dazu umworbenen britischen Schwestermarke Vauxhall weniger Stellenstreichungen als Magna vorzunehmen. 7.584 Jobs will BAIC konkret abbauen und unterbietet damit Magnas Pläne, die 10.000 Stellenkürzungen beinhalten.

Gleichzeitig macht BAIC kein Hehl daraus, dass man es vor allem auf westliche Patente abgesehen hat. Ziel der Übernahme von 51 Prozent an Opel sei der Transfer westlicher Technik nach China. Daher macht das Unternehmen einen möglichen Einstieg vom Erhalt von GM Lizenzen für alternative Antriebe abhängig.

Furcht vor Technologie-Transfer
Genau dieser Wunsch könnte allerdings Magna in die Karten spielen: "Es ist unwahrscheinlich, dass GM in dem wichtigen Markt China einen Konkurrenten stärkt und dorthin eigene Technologie gibt", brachte ein Kenner des GM-Konzerns auf den Punkt. Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Klaus Franz, fügte hinzu: "Wer es nur auf die Technologie abgesehen hat und wer sich mit der Marke Opel einen Standortvorteil zwischen Peking und Schanghai verschaffen will, plant keinen nachhaltigen Einstieg bei Opel."

Vielleicht ist auch das der Grund, warum beim austro-kanadischen Zulieferer trotz der BAIC-Offerte Gelassenheit herrscht. Die Gespräche mit GM seien weit fortgeschritten, ein Abschluss stehe unmittelbar bevor. Gut möglich, dass Magna seinen Vorsprung somit ins Ziel retten wird. Dorthin muss man allerdings erst noch kommen.
(Stefan Meisterle)

8.7.2009 16:08