"Müssen den Ball flach halten": Constantini plant mit einer neuen Kicker-Generation
- Im NEWS-Interview: "Erwartungshaltung oft zu groß"
- So plant der Fußball-Lehrer den Umbau des Teams

Der Nationalmannschaft hat der Teamchef schon in seinen ersten beiden WM-Qualifikationsspielen neues Leben eingehaucht. Und er ist beim Umbau auch nicht vor prominenten Namen wie Ex-Teamkapitän Andi Ivanschitz zurückgeschreckt. Konsequent setzt er auf junge, hungrige Spieler, die ihn auch abseits des Platzes charakterlich überzeugen.
NEWS: Was wollen Sie heuer mit der Nationalmannschaft noch erreichen, nachdem wir in der WM-Qualifikation praktisch gescheitert sind?
Constantini: Ich habe mir ein großes Ziel gesetzt, nämlich dass die Fans nach einem Länderspiel nicht mehr über uns lachen. Das ist uns, glaube ich, mit den zwei Spielen gegen Rumänien und gegen Serbien gelungen. Das ist zwar noch kein Grund für Zufriedenheit, aber auf diesen Leistungen können wir aufbauen. Bei der knappen Niederlage gegen Serbien haben wir meiner Meinung nach sogar besser gespielt als beim Sieg gegen Rumänien. In Belgrad haben meine Spieler nicht nur alles gegeben, sie haben auch richtig Fußball gespielt, zum Beispiel den Ball am Boden gehalten, so wie es im modernen Fußball sein muss.
NEWS: Sie haben viele neue, vor allem junge Spieler ins Team geholt. War das kein Risiko?
Constantini: Ich schaue mir meine Spieler sehr genau an und rede auch sehr viel mit den Klubtrainern. Das sind ehrliche Gespräche, die mir helfen, jeden einzelnen Spieler richtig einzuschätzen. Ich steh auf Typen, die von der ersten Minute an marschieren. Ich will, dass das Team für sie keine lästige Pflicht ist, sondern dass sie auch mit einem gewissen Nationalstolz bei der Sache sind. Wenn einer glaubt, dass er sein Teamleiberl sicher hat und nur mehr seine Länderspiele zählen muss, dann hat er bei mir schlechte Karten.
NEWS: Haben Spieler mit Migrationshintergrund neuen Schwung ins Team gebracht?
Constantini: Natürlich bringen Spieler wie Korkmaz, Pehlivan oder Dragovic auch eine andere Mentalität mit. Ihre Eltern stammen zumeist aus Ländern, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht wie uns. Diese Spieler wollen in ihrem Leben, in ihrem Beruf nach oben kommen. Aber auch die anderen jungen Österreicher legen heute einen unglaublichen Biss an den Tag, ein Jantscher, ein Beichler oder ein Jimmy Hoffer. Noch einmal, ich will unser Nachwuchssystem
nicht kritisieren, aber vielleicht haben wir unsere Talente in den vergangenen Jahren zu sehr verwöhnt, ihnen, auf gut Tirolerisch gesagt, alles in den Hintern geschoben. Wie kannst du dann von einem solchen Spieler verlangen, dass er mit 20 Jahren plötzlich Verantwortung übernimmt und Entscheidungen trifft? Vielleicht sind die Fixplätze für Nachwuchsspieler in den Landesligen auch nicht der richtige Weg. Wenn sich ein Talent nicht ohne Quote durchsetzt, ist er für den Profifußball nicht gut genug.
NEWS: Offensichtlich sind junge österreichische Spieler wieder begehrt, wie das Beispiel Marko Arnautovic zeigt.
Constantini: Wenn einer wie Marko mit 20 Jahren in der holländischen Liga 13 Saisontore macht, dann hat er zweifellos Klasse und das bemerken dann auch große Klubs wie Inter Mailand oder Trainer wie José Mourinho. Ihm ist wahrscheinlich noch gar nicht bewusst, dass er jetzt ein Vorbild für viele junge Spieler ist, weil sie sehen, dass auch für einen Österreicher das Tor zur großen Fußballwelt offen steht. Aber auch ältere Spieler wie Pogatetz, Scharner oder Stranzl sind Vorbilder. Die sind vielleicht nicht die Überdrüber-Zangler, aber sie haben sich in der englischen Premier League oder in Russland als Österreicher durchgesetzt. Wir haben heute im Team eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Und alle zusammen brennen für den Erfolg. Da gibt es keine Gruppenbildungen, die setzen sich nach dem Training zusammen, egal ob sie von Rapid, Austria, Sturm oder Salzburg kommen.
NEWS: Haben Sie so etwas wie einen Dreijahresplan für das Team in der Schublade?
Constantini: Wenn die Ergebnisse nicht passen, dann nützt dir im Fußball der schönste Plan nichts. Wir haben jetzt einmal zwei passable Spiele abgeliefert, die Spieler zerreißen sich auf dem Feld, was für mich allerdings das Normalste im Fußball ist. Dieses Team
hat einen guten Kern. Mindestens genauso wichtig ist es, dass wir den Ball flach halten. Denn die Erwartungshaltung ist in Österreich manchmal viel zu groß.
Interview: Tino Teller
Lesen Sie das komplette Interview mit Didi Constantini im aktuellen NEWS Nr. 28/09!
