Ende des Formel 1-Streits am Mittwoch?
Entscheidender Tag zwischen FIA & FOTA
- Streit um Stimmrecht für die acht Teamrebellen
- Konkurrenzserie größtes Druckmittel der FOTA
·Max Mosley bekommt
einen Konkurrenten
Ari Vatanen steht als Gegenkandidat bereit
·Formel 1 wendet
kurz vorm Abgrund
Konkurrenzserie vom Tisch. FIA & FOTA einig
·Chronologie des Formel-1-Streits!
Wie es fast zur Spaltung der Rennserie kam

Die Formel 1 wartet sehnsüchtig auf den "weißen Rauch". Nach dem Eklat vor dem Nürburgring-Rennen und dem Wiederaufflammen der Machtkämpfe in der Königsklasse des Motorsports herrschte am Grand-Prix-Wochenende in der Eifel verdächtige Ruhe. Hinter den Kulissen wird weiter eifrig verhandelt. Ziel: eine Einigung über den Concorde Agreement genannten Grundlagenvertrag.
Wird dieser von allen Teams, dem Internationalen Automobilverband (FIA) und Rechteinhaber CVC unterschrieben, wäre die Zukunft der Formel 1 mindestens bis 2012 gesichert und der lähmende und existenzbedrohende Streit zwischen der Teamvereinigung FOTA und der FIA beendet. Geplant war, bis zum Freitagabend eine Einigung zu finden. Da es aber zu dieser nicht kam, richten sich sich nun alle Hoffnungen auf die kommende Woche.
Unterzeichnung am Mittwoch?
"Nächste Woche könnte es soweit sein", sagte Formel-1-Rechteverwalter Bernie Ecclestone vor dem Grand Prix in Deutschland. Wie das Fachmagazin "auto, motor und sport" in seiner online-Ausgabe berichtete, könnte der Mittwoch zum entscheidenden Tag werden. Nach dem Willen der FIA sollen dann die Teams zum Schutz der finanzschwachen Rennställe Regeln erarbeiten, wie und wo genau gespart werden soll. Wird der Finanzvertrag am Mittwoch in London unterzeichnet, will die Dachorganisation dem 350 Seiten starken Concorde Agreement, in dem die Zuständigkeiten für das Reglement und die Verteilung der Einnahmen geregelt wird, zustimmen.
"Wir haben eine Menge Themen erledigen können. Aber wir sind nicht am Ziel. Es gibt nach wie vor Meinungsverschiedenheiten. Das Concorde Agreement, das wir brauchen, ist noch nicht unterschriftsreif", hatte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen im Vorfeld des Deutschland-Rennens gesagt. Er gab sich aber vorsichtig optimistisch.
Streit um Stimmrecht
Letztlich sind alle Parteien zum Frieden gezwungen. In den meisten Punkten herrscht Übereinstimmung. Aber weil die FIA den acht Formel-1-Rebellen kein Stimmrecht zugestehen will, hatte die FOTA am Mittwochabend Routine-Gespräche mit der FIA über das Reglement 2010 abgebrochen. Weil die Widersacher jeweils stur auf ihrem Standpunkt beharrten, wurde prompt eine neue Krise befürchtet.
Dabei hatten beide Seiten erst am 24. Juni in Paris einen Friedensschluss verkündet. Doch wegen des Vorfalls vom Mittwoch drohte die FOTA nun wieder mit einer eigenen Konkurrenzserie. Laut Theissen und anderen FOTA-Kollegen wird parallel zu den Verhandlungen mit der FIA, Rechteinhaber CVC und Ecclestone weiter intensiv an einem Konzept gefeilt. Doch ernsthaft hofft wohl niemand mehr auf die Abspaltung. "Keiner hier will eine Konkurrenzserie", meinte Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey.
Konkurrenzserie als Druckmittel
Die Konkurrenzserie ist das größte Druckmittel der in der FOTA organisierten Teams um Wortführer Ferrari - und es hat seine Wirkung bisher nicht verfehlt. Die CVC hat sich eingeschaltet, denn die Kapitalgesellschaft muss um den Wert ihres Milliarden schweren Investments fürchten. In FOTA und CVC hat sich eine starke Allianz gebildet. "Die Unterschiede zwischen der FOTA-Position und der von CVC sind sehr klein", betonte etwa McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Sie sind sich näher als es im Moment noch die Teams und die FIA sind."
Verhandlungen direkt mit CVC sind der FOTA recht, nicht nur um die FIA unter Druck zu setzen. Längst sind die Rennställe von Ecclestones Regime genervt. Hinter vorgehaltener Hand wünschen sich nicht wenige die Ablösung des 78-Jährigen, der zuletzt mit seinen inakzeptablen Äußerungen über Adolf Hitler und seinen abschätzigen Bemerkungen über Demokratien für Negativschlagzeilen gesorgt hat. Die "Sunday Times" spekuliert, dass CVC ihren Interessensvertreter drängen könnte, Ende des Jahres sein Amt aufzugeben. Nachfolger könne der italienische Renault-Teamchef Flavio Briatore werden.
(apa/red)
