Samstag, 11. Juli 2009

Deutschland erwartet den Hoffnungsträger:
Vettel am Nürburgring auf Schumis Spuren

  • Vettel: "Wie beim Fußball, wenn man Heimspiel hat"
  • Großer Stimmungstöter könnte Jenson Button werden

Michael Schumacher war gestern, Sebastian Vettel ist heute: Nur drei Jahre nach dem Rücktritt des Formel-1-Rekordweltmeisters hat der Große Preis von Deutschland in dem 22-jährigen Ausnahmetalent von Red Bull Racing wieder einen Lokalhelden. Während Schumachers glorreiche Vergangenheit auf dem Nürburgring mit einer nach ihm benannten Kurven-Kombination verewigt ist, reagiert der Teamsponsor auf die Begeisterung um seinen Jungstar mit einer besonderen Aktion: Die Vettel-Fans erhalten eine Extratribüne, um dem neuen deutschen Vorzeigepiloten zuzujubeln.

"Ich würde sagen, es ist wie im Fußball, wenn man ein Heimspiel hat. Man gibt immer 100 Prozent, aber die Motivation ist bei einem Heim-Grand Prix noch einmal größer, weil man sich zu Hause einfach immer besonders wohl fühlt", sagte Vettel - der den Vergleich mit Schumacher hasst - vor dem Heim-Grand-Prix. Stimmungstöter könnte Jenson Button werden. Der WM-Spitzenreiter im Brawn GP möchte Revanche nehmen, nachdem ihm Vettel vor drei Wochen in Silverstone die Show gestohlen hatte.

Nur Schumacher-Brüder gewannen in der Heimat
"Ich bin der Beste", gab sich der Brite zuletzt selbstbewusst. Vettel wird versuchen, dies beim neunten von 17 Saisonrennen zu widerlegen. Mit einem Sieg wäre er der dritte deutsche Formel-1-Fahrer nach den Brüdern Michael und Ralf Schumacher, der auf heimischem Asphalt einen Grand Prix gewinnt. "Ich freue mich grundsätzlich über einen Sieg, aber wenn man als Deutscher in Deutschland die deutsche Nationalhymne hört, ist das schon was ganz Spezielles", erklärte Vettel.

Auf jeden Fall ist ihm die große Unterstützung gewiss. Denn vor allem dank ihm kann die Nürburgring GmbH trotz Wirtschaftskrise auf eine leichte Steigerung der Zuschauerzahlen gegenüber dem letzten WM-Lauf in der Eifel 2007 hoffen. Damals waren nach Angaben der Veranstalter 311.000 PS-Fans zum deutschen Motorsport-Mekka gepilgert. Nürburgring-Chef Walter Kafitz hat schon häufiger dem Schicksal für Vettel gedankt, "und zwar immer dann, wenn er sich mit positiven Schlagzeilen bemerkbar gemacht hatte. Das heißt in der letzten Zeit immer häufiger."

Nur Vettel kann WM noch spannend machen
Der zweifache Saisonsieger Vettel ist auch der letzte Hoffnungsträger für einen spannenden WM-Kampf. Mit 39 Zählern weist er noch immer 25 Punkte weniger als Button (64) auf. Lediglich dessen zweitplatzierter Teamkollege Rubens Barrichello (41) ist in Reichweite. Um Button noch anzugreifen, ist der junge Deutsche bei seiner Premiere auf dem Ring als Formel-1-Pilot unter Druck. Auch, weil die anderen vier deutschen Fahrer Nico Rosberg, Timo Glock, Adrian Sutial und Nick Heidfeld eindeutig im Schatten des Aufsteigers stehen.

So bleibt Vettel die große Nummer am Wochenende, auch wenn die Organisatoren ein Riesenprogramm rund um den Grand Prix zusammengestellt haben. So wird das mehr als 251 Millionen Euro teure Freizeit- und Geschäftszentrum am Ring mit viel Tamtam eröffnet. Das Projekt "Nürburgring 2009" soll die Traditionsstrecke in ein ganzjähriges Freizeit- und Geschäftszentrum verwandeln. Insgesamt wurden mehr als 250 Millionen Euro in den Umbau investiert.
(apa/red)

11.7.2009 20:13
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts