Mittwoch, 8. Juli 2009

Der große Feind im eigenen Rennstall:
Lance Armstrong setzt Contador unter Druck

  • Tour-Großmeister liegt in der Wertung vor Contador
  • Freitag bringt Entscheidung über die Führungsrolle

"Wenn Alberto super fährt, werde ich ihn unterstützen, dann wäre mein Abschneiden zweitrangig. Ich bin gut in Form, aber man muss das Kräfteverhältnis im Team respektieren." Lance Armstrong, nach vier Etappen zeitgleich mit dem führenden Schweizer Fabian Cancellara an zweiter Stelle, hat schon vor der Radrundfahrt Tour de France durchklingen lassen, dass für ihn sein Astana-Teamkollege Alberto Contador nicht auf der Nummer-eins-Position einzementiert ist.

Contador hat am Dienstag die Attacke von Armstrong vom Vortag verdauen müssen. "Ich kommentiere nicht unsere Team-Taktik - machen sie sich selbst ein Bild davon", hatte der Spanier erklärt, nachdem er durch den überraschenden Vorstoß von Columbia-HTC, unterstützt von Armstrong und zwei weiteren Astana-Fahrern, im Ziel der dritten Etappe 41 Sekunden verloren hatte. Nun wartet jeder auf die Antwort Contadors auf die etwas unübliche Revolte ("Armstrong: "Das war kein Hinterhalt"), sie könnte und müsste in den Pyrenäen kommen.

Noch ist die Teamleitung auf dem Standpunkt, dass Contador "selbstverständlich weiter unser Leader" ist. Aber nach der Freitag-Etappe von Barcelona nach Andorra Arcalis in den Pyrenäen (Bergankunft) werde die Führungsrolle neu diskutiert werden, ließ der Texaner Armstrong verlauten. "Es ist möglich, dass es an diesem Tag zwei Führer geben wird und wir beide unterstützt von den Teamkollegen fahren", meinte Armstrong. "Doch nach diesem Tag werden wir eine andere Situation haben und darüber reden müssen."

Duell am Anstieg nach Arcalis
Armstrong erklärte weiters, dass es zwei Möglichkeiten gäbe, eine Führungsrolle innezuhaben. "Du kannst der Stärkste sein, oder du kannst wegen deiner Erfahrung der Führende sein, weil du den Respekt von deinen Teamkollegen hast", sagte er. Wenn es Contador gelingt, Armstrong auf dem 10,6-Kilometer langen Anstieg nach Arcalis mit der durchschnittlichen Steigung von 7,1 Prozent zu attackieren, könnte er in der Gesamtwertung an dem siebenfachen Tourgewinner vorbeiziehen und sich selbst in die beste Position bringen, die Rundfahrt zu gewinnen. Möglich, aber unwahrscheinlich ist, dass beide gemeinsam die Bergankunft erreichen.

Ungeachtet aller Spekulationen und Szenarien ist sich Armstrong sicher: "Sie werden ihre Geschichte nicht schreiben, bevor wir am Mont Ventoux angekommen sind". Dies ist das Ziel der vorletzten Etappe, danach erfolgt nur noch die Fahrt nach Paris und auf den Champs-Elysees - und da wird traditionell nicht mehr attackiert.
(apa/red)

8.7.2009 11:20