Mister Hypo möchte es noch einmal wissen:
Gunnar Prokop ist der neue alte Trainer
- 69-jähriger Handball-Zampano verpflichtet sich selbst
- "Möchte, dass wieder Zucht und Ordnung herrscht"

Österreichs Frauen-Serienmeister Hypo Niederösterreich, der seit 2000 dem neunten Gewinn der Champions League hinterherläuft, hat einen neuen Trainer mit bekanntem Namen. Gunnar Prokop, der den Verein seit Gründung des Verein 1972 mit strenger Hand erfolgreich führt, präsentierte sich auf einer Pressekonferenz in Vösendorf überraschend als neuer Cheftrainer. "Auf über 36-jährige Handball-Erfahrung zu verzichten, wäre dumm", sagte der Zampano.
Ursprünglich hatte er Alexej Gumjanow als Nachfolger des Ungarn Andras Nemeth, der nach zweijährigem Gastspiel in der Südstadt in seine Heimat zurückgekehrt ist, vorgesehen gehabt. Der zuletzt für Lada Togliatti tätig gewesene Russe war auch schon im Februar zu Gesprächen in Österreich, hat sich seit damals aber nicht mehr gemeldet, auch nicht seine Papiere geschickt und sich letztlich für einen anderen Arbeitgeber entschieden.
Prokop räumte ein, dass die wirtschaftliche Situation des Vereins auch eine gewisse Rolle gespielt habe, warum er jetzt wieder den Trainer spiele. Ein weiterer Grund war die Arbeit von Nemeth, mit der er nicht zufrieden war. "Andras hat geglaubt, er kann alles alleine. Er war keine Teamplayer. Das geht nicht, im Spitzensport benötigt man ein Team um sich", begründete der Manager. Hypo sei vor zwei Jahren die stärkste Mannschaft in Europa gewesen und die praktisch gleiche Mannschaft habe zuletzt die Homogenität verloren.
"Zucht und Ordnung"
"Die Spielerinnen haben zwei Jahre keine Pulsuhren verwendet. Es ist noch nie passiert, dass wir konditionell schlechter als der Gegner waren. Wenn man so ein Potenzial in der Mannschaft hat und nicht gewinnt, dann ist etwas passiert", kritisierte der mit Trainern selten zufriedene Prokop indirekt, aber bestimmt seinen Vorgänger, der der 28. Betreuer seit 1972 war. "Mister Hypo" möchte es nochmals wissen, die Südstädterinnen wieder zu alter Stärke führen. "Wobei am Ende jedoch nicht ungedingt der neunte Streich in der Champions League stehen muss. Ich möchte, dass wieder Zucht und Ordnung herrscht."
Wo nimmt der Ehemann der am 31. Dezember 2006 verstorbenen Innenministerin Liese die Motivation her und warum tut er sich den stressigen Job selbst an? "So lange ich Hypo habe, werde ich nicht alt. Der Club ist ein Lebenswerk und er erhält mich jung", gesteht der agile Senior, der die Ruhe und Kraft aus Mountainbiken sowie Gartenarbeit auf seinem Anwesen in Annaberg tankt. Der kleine Ort im südwestlichen Niederösterreich sei sein Jungbrunnen für neue Herausforderungen.
"Wir sind gut aufgestellt"
Prokop hat sich als Chefcoach Herbert Janko als Kondi-Trainer, Sergej Bilyk als Torfrau-Betreuer, die Südkoreanerin Seong-Ok Oh als Spieler-Trainerin sowie im Management und Öffentlichkeitsarbeit seine Tochter Karin und Dieter Heger (auch neuer Generalsekretär nach Geri Berger) ins Boot geholt. Weil das tägliche zweimal zweistündige Training anstrengend ist, wird ihm sein Betreuerteam Freiräume schaffen. Oh soll sich vorwiegend um die Gruppe der jungen Spielerinnen und dort um die technische Entwicklung kümmern. "Wir sind gut aufgestellt", glaubt Prokop.
Oh, die schon in Japan sechs Jahre als Spieler-Trainerin fungiert und deren koreanische Handball-Schule von Prokop geschätzt wird, könnte einmal zur Cheftrainerin aufsteigen und Tochter Karin den Verein einmal weiterführen, wenn der Vater nicht mehr die Kraft und Ruhe finden kann. Der neue Cheftrainer hat auch den Kader geändert, aber er glaubt die Strukturen der Mannschaft erhalten zu haben. Neun Spielerinnen gingen, nur fünf neue kamen.
"Dass nicht wieder sieben geholt wurden, lag auch am Finanziellen", gestand Prokop, der eine Linkshänderin noch gerne holen würde, wenn sich ein Gönner oder Mäzen einstellen würde. "Kommt niemand mehr, dann ist es auch gut", so Prokop, der die russische Torfrau Olga Sanko (Zwezda Zwenigorod) zurückholte und dazu die Südkoreanerin Soon-Youngh Huh (Aarhus GF), die Brasilianerin Francine Camila gomes de Moraes (Union Ribarroja/ESP), die Französin Marion Limal (ESBF Besancon) und die Norwegerin Terese Pedersen (HK Rangers/DEN) engagierte.
(apa/red)
