Präsidenten-Wahlen in der Republik Kongo:
Opposition ruft zum Boykott der Wahlen auf
- Augenzeugen: Schlägertrupps in Stimmlokal gewütet
- Europäische Union kritisiert Wahlleitung des Landes

Ein Boykottaufruf der Opposition hat sich stellenweise einschneidend auf die Beteiligung bei der Präsidentenwahl in der Republik Kongo ausgewirkt. In einem südlichen Wahlbezirk der Hauptstadt Brazzaville gingen lediglich 52 der 924 Stimmberechtigten an die Urnen. In den Hochburgen von Amtsinhaber Denis Sassou-Nguesso kam es indessen zu langen Wartschlangen. Zugleich gab es Berichte über Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung.
Wahlleiter Raymond Mboulou erklärte, es habe keine Probleme gegeben, und der Boykott habe höchstens dazu geführt, dass der Präsident am Ende umso siegreicher sein werde. Gegen Sassou-Nguesso traten insgesamt zwölf Kandidaten an, was die Zersplitterung der Opposition zeigte. Sechs von ihnen, darunter der aussichtsreichste Bewerber Mathias Dzon, unterstützten den Boykottaufruf und begründeten dies mit manipulierten Wählerlisten. Derselbe Vorwurf war bereits bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren erhoben worden.
Schlägertrupps in Stimmlokal?
Augenzeugen berichteten, in einem Stimmlokal hätten Schlägertrupps Wahlurnen entwendet. In der Hauptstadt Brazzaville verzögerte sich nach Angaben von Zeugen in mehreren Wahllokalen die Stimmabgabe. Die Europäische Union und Menschenrechtsgruppen äußerten Bedenken über mögliche Unregelmäßigkeiten. Die Afrikanische Union (AU) entsandte 170 Wahlbeobachter.
Sassou-Nguesso kam 1979 zum ersten Mal mit einem Putsch an die Macht. 1992 verlor er eine Präsidentenwahl, 1997 ergriff er mit Hilfe angolanischer Truppen erneut die Macht. In 2002 setzte er Verfassungsänderungen durch, mit denen die Macht des Präsidenten gestärkt wurde. Das Endergebnis der Wahl wird für kommenden Donnerstag erwartet.
2,2 Millionen Menschen wahlberechtigt
Die Wahllokale in dem vier Millionen Einwohner zählenden mittelafrikanischen Staat waren von 07.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Wahlberechtigt sind in dem westlichen Nachbarstaat der Demokratischen Republik Kongo (Ex-Zaire) nach offiziellen Angaben rund 2,2 Millionen Menschen.
EU-Kritik
Vor dem Beginn der Präsidentenwahl in der Republik Kongo hat die Europäische Union die Wahlleitung des zentralafrikanischen Landes kritisiert. Die Behörden hätten unzureichende Informationen über Registrierung, Wahllisten und den Wahlprozess herausgeben, sagte der lokale Chef der EU-Kommission in der Republik Kongo, Miguel Amado. Seit der umstrittenen letzten Wahl 2002 habe sich wenig verbessert. Die EU werde keine Wahlbeobachter entsenden und erwarte von der Regierung mehr Fortschritte, fügte Amado hinzu. (apa/red)
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