Dienstag, 7. Juli 2009

Obamas Grundsatzrede bei Moskau-Besuch:
'Amerika will starkes & blühendes Russland'

  • Soll angestammten Platz als Großmacht einnehmen
  • Kooperation fundamental für das 21. Jahrhundert

"Amerika möchte ein starkes, friedliches und blühendes Russland", hat US-Präsident Barack Obama in seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede vor der "Neuen Ökonomischen Schule" in Moskau betont. Dies liege im Interesse der ganzen Welt. Die Entwicklung in Russland bestimme das Leben aller Menschen mit, sei es bei der Frage der Nuklearwaffen oder des Kampfes gegen Extremismus, den freien Märkten oder Umweltfragen. Deshalb brauche es "globaler Partnerschaft, und diese Partnerschaft wird stärker sein, wenn Russland seinen angestammten Platz als Großmacht einnimmt".

Es sei fundamental für das 21. Jahrhundert, dass Russen und Amerikaner eng zusammenarbeiteten, meinte Obama. Die USA seien vor allem daran interessiert, die Ausbreitung und Verwendung nuklearer Waffen zu verhindern. Russen und Amerikaner seien sich der "entsetzlichen Folgen" von Atomschlägen stets bewusst gewesen. Das Gleichgewicht des Schreckens habe einen Atomkrieg verhindern können. "Aber wir müssen fragen, ob Extremisten, die unschuldige Zivilisten in New York und Moskau getötet haben, die gleiche Zurückhaltung haben werden."

Obama wandte sich gegen die Vorstellung, dass das Ansehen eines Landes vom Besitz von Nuklearwaffen abhänge. Seit Ende des Kalten Krieges hätten Indien, Pakistan und Nordkorea nukleare Tests unternommen. "Glaubt wirklich einer von uns, dass es ohne einen fundamentalen Wandel in den kommenden zwei Jahrzehnten keine weitere Ausbreitung von nuklearen Waffen geben wird?". Deshalb bekenne sich Amerika dazu, die Ausbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Dies liege auch in der Verantwortung der beiden führenden Nuklearmächte. Deshalb sei die Vereinbarung mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew über ein neues Abrüstungsabkommen so wichtig.

Vergangenheit ruhen lassen
Das neue Russland darf sich nach den Worten Obamas bei seiner Standortbestimmung und seiner Vorstellung von Macht nicht von der Vergangenheit beeinflussen lassen. Es sei die Sichtweise des 20. Jahrhunderts, dass Russland und die USA gegensätzliche Interessen hätten, und dass die Stärke des einen Landes mit der Schwäche des anderen verbunden sei.

Angesichts der gegenseitigen Abhängigkeiten in der Welt hänge heute die Stärke der Großmächte nicht ab von der "Dominanz über andere Länder" oder der "Dämonisierung anderer Länder", sagte Obama. "Jede Weltordnung, die darauf gründet, dass sich ein Land oder eine Gruppe von Leuten über die anderen erhebt" werde scheitern". Auch deshalb habe er zu einem "Neustart" in den Beziehungen zu Russland aufgerufen, sagte der US-Präsident.

(apa/red)

7.7.2009 11:26