Montag, 6. Juli 2009

Gewaltausbruch in Chinas Uiguren-Region:
Über 150 Tote und hunderte Festnahmen

  • Demo muslimischer Minderheit Auslöser der Unruhen
    Uiguren fühlen sich von der Regierung unterdrückt
  • Chinesische Polizei geht gegen die "Unruhestifter" vor

Die chinesische Polizei hat eine Versammlung von "mehr als 200 Unruhestiftern" vor der Hauptmoschee in der Stadt Kashgar in der nordwestlichen Provinz Xinjiang aufgelöst. Das berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Bei den jüngsten Unruhen in der von muslimischen Uiguren bewohnten Region waren mehr als 150 Menschen getötet und hunderte weitere festgenommen worden.

Weniger als eineinhalb Jahre nach den blutigen Unruhen in Tibet waren zuvor die chinesischen Sicherheitskräfte erneut brutal gegen eine nationale Minderheit vorgegangen. Bei schweren Zusammenstößen zwischen muslimischen Uiguren und Sicherheitskräften in der abgelegenen Uiguren-Provinz Xinjiang wurden mindestens 156 Menschen getötet.

Der Weltverband der Uiguren (WUC) sprach im Deutschlandradio Kultur sogar von über 800 Toten. Zunächst hatte WUC- Vizechef Asgar Can von 200 Toten gesprochen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass es bei den Zusammenstößen in der Provinzhauptstadt Ürümqi zudem mehr als 800 Verletzte gegeben habe. Rund 700 Demonstranten wurden nach offiziellen Angaben festgenommen. Die Uiguren fordern von der chinesischen Zentralregierung mehr Rechte.

Die chinesischen Behörden machten den in den USA sitzenden Weltkongress der Uiguren für die Unruhen verantwortlich. Der Weltkongress seinerseits berichtete, es gebe Zeugenaussagen, wonach Dutzende Uiguren von der Polizei erschossen oder zu Tode geprügelt wurden.

Erinnerungen an Olympia 2008
Nach mehreren Jahren relativer Ruhe war die Gewalt im Nordwesten Chinas 2008 vor den Olympischen Sommerspielen in Peking wieder aufgeflammt. Bei den letzten schweren Unruhen im März 2008 hatten chinesische Sicherheitskräfte das Feuer auf tibetische Demonstranten eröffnet. Mit mehr als acht Millionen Menschen machen die Uiguren in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. (apa/red)

6.7.2009 21:57