Experten wollen kürzere Sommerferien:
Schüler vergessen in langer Zeit sehr viel
- Dafür längere Erholungsphase im Herbst einführen
- Ministerin Schmied steht Debatte offen gegenüber

Neun Wochen Sommerferien sind zu lang, sagen österreichische Bildungsexperten. Aus pädagogischer Sicht bleibe viel mühsam Erlerntes auf der Strecke, kritisierte Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien im Ö1-"Morgenjournal". Wie Hopmann plädiert auch die Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel für eine Kürzung der Sommerferien und die Einführung von Herbstferien, da es in dieser Zeit für Schüler wenig Möglichkeit zu längerer Erholung gebe. Im Unterrichtsministerium steht man "Debatten offen gegenüber", die Entscheidung liege jedoch bei den Schulpartnern, so der Sprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied.
Laut Hopmann haben Kinder bereits nach sechs Wochen Ferien nachweislich erhebliche Leistungsverluste im Lesen und Rechnen, die danach aufgeholt werden müssten. Die Ferien seien in Europa auch nicht aus pädagogischen, sondern wirtschaftlichen Gründen eingeführt worden: Etwa in der Landwirtschaft nach dem Gesichtspunkt, wann die Buben zur Feldarbeit gebraucht wurden. Für Spiel ist aber klar, dass auch heute noch "große Ferien" über mehrere Wochen nötig sind: So hätten etwa Studien über Gewalt gezeigt, dass das Aggressionspotenzial der Schüler durch die längere Erholung abgenommen habe.
Hopmann fordert, als Ausgleich für kürzere Sommerferien während des Schuljahres öfters Ferien einzuschieben; schließlich sei die ferienlose Zeit vom Sommer bis Weihnachten "viel zu lang. Wir vergessen, dass das Schwerarbeit für viele Kinder ist." Ähnlich argumentierte Spiel: Viele Schüler würden die Wochenenden nicht nur zur Erholung nutzen, "vor allem am Gymnasium ist der Sonntag ein extremer Arbeitstag".
Im Büro Schmieds betonte man, dass in dieser Frage die Schulpartnerschaft einen hohen Stellenwert habe. "Wir haben bei den schulautonomen Tagen erlebt, welche Emotionen eine solche Debatte erzeugt. Wir wollen hier einer Entscheidung der Schulpartner nicht vorgreifen", so Schmieds Sprecher. Sollten Eltern-, Schüler und Lehrervertreter für eine Änderung der Feriendauer eintreten, sei das Ministerium "zu allem bereit".
(apa/red)
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