Jörg Haider findet einfach keine Ruhe: Über seltsame Souvenirs & seine Seligsprechung
- NEWS: Wohin soll der irre Hype noch führen?
- "Gebetsliga" will ihn sogar heiligsprechen lassen

·Ein Heiligenschein
für "good old" Jörg?
Website fordert Haiders Selig- & Heiligsprechung
·Haider-Witwe als Bundespräsidentin?
BZÖ-Obmann Bucher:
"Wäre echter Fortschritt"
·Jörgs Schwiegersohn Quercia packt aus
NEWS: Politik-Angebot für Haider-Tochter Ulrike
Geht es um die Ausschlachtung des Haider-Andenkens, so lässt man im Großraum Kärnten die Kirche nicht mehr länger im Dorf. Bislang fielen die Seelenmessen zu Ehren des vor neun Monaten verstorbenen Landeshauptmanns ja nur durch ihre außergewöhnlich hohe Anzahl und ihren außergewöhnlich hohen Zuspruch auf, nicht aber durch ihren äußeren Ablauf. Doch nun sprengen anonyme Aktionisten den Rahmen der herkömmlichen Kärntner Katholizität:
Unter strikter Wahrung der eigenen Anonymität formierte sich dieser Tage im Internet die Gebetsliga für die Selig- und Heiligsprechung von LH Dr. Jörg Haider (http://heiligerhaider.word press.com). Der Name der nicht ganz alltäglichen Plattform ist Programm, Jörgls Erhebung in den Stand weltweiter religiöser Anbetungswürdigkeit das erklärte Ziel. Wir wissen, dass das frühestens unter dem nächsten Papst geschehen wird, betonen die umtriebigen Protagonisten per Mail auf NEWS-Anfrage.
Wirre Verschwörungen
Politisch durchdachte Verschwörungstheorien, nennt das der Politologe Wolfgang Bachmayer: Wahlen in Oberösterreich, Wahlen in Vorarlberg, Wahlen in Wien die Gebetsliga für den Mann, der nicht sterben darf, solange das BZÖ noch irgendwo um Mandate kämpft, ist nur die jüngste Facette des ausufernden Haider-Kults. Auch jenseits der bizarren Frömmelei boomt das Biz mit dem Mythos: Haider-Shirts werden auf eBay um 25 Euro feilgeboten, der Bären- taler mit Jörgl-Konterfei ist um 19 Euro zu haben, die In-memoriam-Silbermedaille mit Kopf und Landeswappen kostet 76,45 Euro, Verkaufssendungen für den folkloristischen DVD-Klassiker Pfiat Gott, liabe Alm, besungen vom verstorbenen Landes- vater persönlich, laufen im Sales-TV in Endlosschleife.
Nicht zu vergessen ein findiger Wiener Maler, der für einen rasch komponierten Haider in Öl, 60 mal 70, lasierend und altmeisterlich gemalt, Strich für Strich, Schicht für Schicht aufgetragen, auf die Schnelle 1.200 Euro einstreifen durfte.
Doch auch die literarische Nachlassverwertung floriert: Die erste Auflage bestand aus 10.000 Büchern die ist verdampft wie auf einer heißen Herdplatte, so der deutsche Skandalautor Gerhard Wisnewski, der mit Jörg Haider Unfall, Mord oder Attentat? den Bestseller des karinthischen Sommers landete. Die zweiten 10.000 seien auch schon fast vergriffen, weitere 10.000 in Vorbereitung.
Heiße Ware Haider-Nachfolger Gerhard Dörfler glaubt zwar im Gegensatz zu Wisnewski nicht daran, dass das (vom BZÖ angekaufte und in einer Fabrikshalle gebunkerte) Unfallwrack bloß ein Fake sei und Haider in Wahrheit ermordet wurde, fünf Exemplare des heißen Schmökers habe er Medienberichten zufolge aber dennoch ge- ordert.
Die Menschen suchen eben nach besseren Antworten als jene, die sie von den Be- hörden bekommen, bilanziert der Autor zufrieden. Und Ewald Stadler, der für Haiders Partei als Erster ganz ohne Heiligen Jörg in Wahlen zog und den Einzug ins EU-Parlament prompt verpasste, resümiert konsterniert: Den Michael Jackson lässt man ja auch nicht sterben warum sollte man es denn beim Jörg Haider
?
Susanne Zobl, Veronika Dolna, David Pesendorfer
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