Lambchop lud zum Country-Sommerfest:
Großes leises Kino mit ganz wenig Tralala
- Herzschmerzhoffnung und Tennessee-Romantik
- Kurt Wagner und Band stellten "OH (ohio)" vor

·Die Entblößung eines großen Künstlers
Maximilian Hecker live
in der Szene Wien
·Klassentreffen des Indie-Rocks in Wien
Grand Archives und Wooden Birds im WUK
·Die Kunst der Tragik im Komischen
Songwriter Scott Matthew live im Wiener WUK
Sommerfeste sind auch bei Kulturinstitutionen dieser Tage hoch im Kurs. Im Falle des Wiener WUK gestaltet sich so eine Summer-Opening-Party natürlich in einer unorthodoxeren, aber umso charmanteren Art. Statt Alleinunterhalter, Feuerwerk und Cocktailkleider gibt es Country-Rock der Marke Lambchop und die österreichische Herzschmerzhoffnung Sir Tralala.
Lambchop, diese leiseste aller Bigbands aus Nashville Tennessee, kann trotz ihrer ruhigen Arrangements und Country-Anleihen eine riesige Fanschar anlocken, obwohl sie schon seit längerem zum Stamm-Ensemble der Kulturwerkstätte gehört; gute ehrliche Musik zieht auch bei der x-ten Wiederholung noch immer neue Leute an.
Wenig Tralala!
Eröffnet wurde der Abend aber von Sir Tralala, dem Hoffnungsträger aller heimischen Herzschmerz-Liebhaber, der sein neuestes Album Escaping Dystopia einem durchwegs begeisterten Publikum vorstellen durfte. Eine Ein-Mann-Band, irgendwo zwischen Performance-Kunst, moderner Lyrik und Weltuntergangsstimmung. Nach Tralala! klingt das nicht. Bei ihm regiert vielmehr der Schmerz, der aber umso mehr fesselt.
Nach kurzer Hallenflucht des Publikums ins Freie, sitzt Kurt Wagner auf der Bühne. Dieser mit Truckerkappe und Hornbrille bewaffnete ehemalige Bodenleger, der von der ersten Sekunde an mit seiner Stimme zu fesseln vermag. Seine fünf Mann starke Begleitband ist nicht nur reine Zugabe, vielmehr eine perfekt agierende Rhythmuswaffe. Die leisen Töne treffen hier immer ins Ziel.
Der oftmals ins Erzählende abgleitende Gesang Wagners hat zuweilen einen kindlichen Charakter, verliert sich in pathetischen Höhen und Tiefen und generiert Gänsehautstimmung ohne kitschig zu sein. Wagner ist partout keine Kunstfigur des Musikbusiness, sondern ein ehrlicher Musiker. Schön, dass man ihm das abkaufen darf.
(Philip Dulle)










