Der Glaube an Märchen: Tino Teller
über die Welt des modernen Radsports
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Irgendwie komisch: Da verbringt man monatelang seine Zeit damit, sich über den Dopingsumpf im Radsport zu alterieren und zu moralisieren. Und dann ärgert man sich, dass die Bilder von der dramatischen Kletterei aufs Kitzbüheler Horn oder von der Kür des Glocknerkönigs im Rahmen der Österreich-Rundfahrt nicht live im ORF zu sehen sind. Von der Tour de France gar nicht zu reden, wo man die Comeback-Fahrt von Lance Armstrong in voller Länge nur mehr auf Eurosport mitverfolgen kann. Dabei weiß man doch ganz genau, dass es bei beiden Rundfahrten auch heuer nicht mit rechten Dingen zugeht, dass natürlich der eine oder andere Dopingsünder nach Ablauf seiner Sperre wieder kräftig in die Pedale treten darf. Und dass einige Athleten ihre Leistungsfähigkeit durch den Einsatz neuer Mittel, die die Kontrolleure noch nicht nachweisen können, ins schier Übermenschliche steigern. Aber man kann halt aus seiner Haut nicht heraus. Die Faszination des Radsports ist trotz aller Skandale ungebrochen. Irgendwie sehnt man sich dann in jene unschuldigen Zeiten zurück, in denen die Radsportfans noch nicht mit der täglichen Dopingstandsmeldung belästigt wurden. Als man noch so richtig an Heldenmärchen glauben durfte.
