Freitag, 3. Juli 2009

Das Köpferollen bei der AUA hat begonnen:
Bis Mitte 2010 werden 1.000 Jobs gestrichen

  • Vorstand reagiert auf drastische Geschäftseinbrüche
  • Auch Kündigungen sind nun nicht mehr abzuwenden

Die Austrian Airlines (AUA) verschärft nach den dramatischen Einbrüchen im Luftfahrtgeschäft den Sparkurs: Bis Mitte 2010, also innerhalb der nächsten zwölf Monate, werden rund 1.000 Stellen abgebaut. Die Mitarbeiter wurden vom Vorstand darüber informiert.

Gelingen soll das mit Auslagerungen, wie schon beim Catering, aber auch durch Nichtnachbesetzung von frei werdenden Posten. Erstmals bestätigt hat der Konzern, dass es Kündigungen geben wird. Besonders betroffen vom Personalabbau sein werden "Verkauf" und "Netzwerk" (Flugplanung), wo 300 Vollzeitstellen wegfallen sollen.

Die Einschnitte sind Teil des "nachhaltigen" Sparprogramms (2010 bis 2012) über 200 Mio. Euro. Dieses Sparpaket setzt auf dem 225 Mio. Euro schweren Akut-Einsparprogramm auf, das für das laufende Jahr 2009 geschnürt worden war und laut AUA bereits erfüllt ist. Die AUA hat derzeit knapp 8.000 Mitarbeiter.

Die AUA-Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik betonten in einer Aussendung, die Restrukturierung des Unternehmens sei zwingend erforderlich, "um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein".

Management will Ergebnis verbessern
Das AUA-Management will das operative Ergebnis "mittelfristig" auf den europäischen Schnitt von sechs bis sieben Prozent bringen. Um eine solche Ebit-Marge zu erreichen, "muss bis 2012 schrittweise eine Ergebnisverbesserung von ca. 200 Mio. Euro erzielt werden", schreibt die AUA.

Die angekündigten Outplacements dienen dazu, Mitarbeitern, die sich schon lange im Unternehmen befinden, bei der beruflichen Neuorientierung zu helfen, sagte ein AUA-Sprecher.

ÖGB gegen "Panikmaßnahmen"
Der ÖGB fordert das Management der AUA auf, von "Panikmaßnahmen" wie dem jetzt angekündigten Abbau von 1.000 Stellen vorerst Abstand zu nehmen und verweist darauf, dass die AUA während der Zeit der Kurzarbeit ohnedies keine Mitarbeiter kündigen darf. "Es gibt ein Zeitfenster, das es trotz der schwierigen Situation möglich macht, die Dinge ruhig zu besprechen und verhandeln", sagte Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp).

Proyer stellte in Abrede, dass die von den AUA-Vorständen Peter Malanik und Adreas Bierwirth angekündigten Maßnahmen bis hin zu Kündigungen mit Betriebsrat oder Gewerkschaft akkordiert seien.

Die Kurzarbeit bei der AUA dauere bis 30. September, bis dahin dürfe es ohnedies zu keinen Kündigungen kommen. "Panikmache ist nicht die richtige Vorgangsweise", sagte Proyer. Die Bundesregierung forderte er auf, in Brüssel Druck auf eine rasche Entscheidung zu machen.

Haberzettl: Management hat versagt
Wilhelm Haberzettl, stellvertretender Vorsitzender der Verkehrs-und Dienstleistungsgewerkschaft vida, warf dem Management vor, versagt zu haben, sie trage die Restrukturierung "ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten aus".

Die Manager würden Boni kassieren - während die Arbeitnehmer, die nicht an der schlechten Situation schuld seien und auch Sparmaßnahmen bereits zugestimmt hätten "mit Arbeitsplatzverlust bestraft werden". Die von der Republik zur Verfügung gestellten Millionen für die AUA (500 Mio. Euro Zuschuss für den Verkauf, Anm.) "haben sich jetzt offenbar als Millionenförderung der Steuerzahler zur Arbeitsplatzvernichtung erwiesen".

(apa/red)

3.7.2009 07:45