Donnerstag, 2. Juli 2009

Lufthansa bleibt trotz Verspätung gelassen:
Wie lange prüft EU-Kommission AUA-Deal?

  • Deutsche Luftlinie glaubt weiter an erfolgreichen Kauf
  • Börsianer melden aber Zweifel an der Übernahme an

In der Deutschen Lufthansa zeigte man sich trotz der überraschend eingeleiteten tieferen Prüfung der Übernahme der Austrian Airlines (AUA) im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens optimistisch, dass die Freigabe des Deals zu vertretbaren Bedingungen zustande kommt. "Wir sind überzeugt, dass das kommen wird", sagte eine Lufthansa-Sprecherin.

Die Einleitung einer vertieften Prüfung kam aus Sicht von Lufthansa vor dem Hintergrund des seit Jahren bestehenden Joint Ventures mit Austrian Airlines "unerwartet", wie die Airline schon in einem Kommunique gestern Abend erklärte.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte die Einleitung der vertieften Prüfung für den Deal AUA-Lufthansa damit begründet, dass "das Vorhaben auf einigen Strecken zu höheren Preisen und einem verringerten Flugangebot führen könnte". Zusammenschlüsse von Fluggesellschaften dürften "nicht zur Folge haben, dass die Verbraucher nicht mehr von Angebotsvielfalt, Preiswettbewerb und den übrigen Vorteilen der Liberalisierung des Flugverkehrs in der EU profitieren können".

Prüfung bis November?
Die vertiefte wettbewerbsrechtliche Prüfung für den Deal AUA-Lufthansa könnte bis 6. November dauern. Die EU-Kommission hat eine entsprechende Änderung der Frist ausgesandt. Die - bereits um zehn Tage verlängerte - erste Prüffrist war am Mittwoch abgelaufen. Allerdings wird allgemein davon ausgegangen, dass die endgültige Entscheidung und ein mögliches Grünes Licht für den Deal doch in den nächsten zwei bis drei Wochen fallen könnte. Dies ist überlebenswichtig für die Zukunft der AUA, da das Angebot der Lufthansa für die Übernahme der österreichischen Fluglinie nur bis 31. Juli gilt.

Für Einschätzungen, wie lang es mit der vertieften Prüfung dauern könnte, sei es am heutigen Tag zu früh, sagt man bei der Lufthansa. "Wir müssen einfach warten und werden sehen, wie die nächsten Wochen vonstatten gehen." Es seien immerhin noch vier Arbeitswochen bis zum 31. Juli, heißt es sowohl bei Lufthansa als auch bei der AUA. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Freigaben rechtzeitig erfolgen", so die Lufthansa-Sprecherin.

Bei deutschen Börsianern machte sich hingegen Skepsis breit. Einem Frankfurter Börsianer zufolge wird die Übernahme mit der Verzögerung "immer unwahrscheinlicher". Die Chancen auf eine erfolgreiche Übernahme der Austrian Airlines seien mit den genaueren Überprüfungen der EU gesunken, schrieb auch Commerzbank-Analyst Frank Skodzik. Langfristig dürfte eine Übernahme die Lufthansa zwar stärken, kurzfristig gebe es aber Sorgen um eine Ergebnisverwässerung, so dass bei einem Platzen der Übernahme der Aktienkurs positiv reagieren dürfte.
(apa/red)

2.7.2009 13:11