Donnerstag, 2. Juli 2009

Madoffs Geld-Spur führt bis nach Wien:
Milliardenbetrüger arbeitete mit Sonja Kohn

  • NEWS: Wiener Medici-Bank beschaffte Milliarden
  • "Primeo"-Fonds der Bank Austria veranlagte 800 Mio.

Sonja Kohn gibt es wirklich. Auch wenn US-Medien witzeln, dass es sich in Wahrheit um Milliardenbetrüger Bernard Madoff mit Perücke handeln könnte. Nachdem Madoff für den historisch größten Betrugsfall mit einer Schadenssumme von zumindest 50 Milliarden Dollar zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde, interessieren sich immer mehr Madoff-Opfer und deren Anwälte für die Finanzexpertin.

Die Gründerin der Wiener Privatbank Medici sammelte Milliarden von An­legern und steckte sie in Madoffs Schwindelfonds. Kohn, für die die Unschuldsvermutung gilt, sieht sich selbst als Betrugsopfer. Tatsache ist, dass sie die ­­­dritt- bis viertgrößte Geldbeschafferin für Madoff war. Die Anwälte der Geschädigten wie einer der profiliertesten strafrechtlichen Opferanwälte Gabriel Lansky suchen nach rund 350 Millionen Euro, die als Provisionen geflossen sein dürften.

Milliarden aus Österreich
Kohn, 1948 in Wien geboren, ist vor allem in der jüdisch-orthodoxen Szene bestens vernetzt. Als sie Mitte der 80er-Jahre in die USA auswanderte, machte Kohn die verhängnisvollste Bekanntschaft ihres Lebens: Bernard Madoff. Der galt als Finanz­genie. Niemand ahnte, dass sein Fonds nur jenes Geld als Gewinne auszahlte, das neue Investoren ihm anvertrauten.

Kohn gründete in Wien die Bank Medici, an der die Bank Austria 25 Prozent hält. Über zwei Fonds (Name: „Herald“) sammelte Kohn Investorengelder ein und vertraute diese Madoff an. In Summe sollen es rund 3,2 Milliarden Dollar gewesen sein, erinnert sich Madoffs Sekretärin in einem Interview. In den 90ern legte auch die Bank Austria „Primeo“-Fonds auf, die zuletzt bis zu 800 Millionen Euro bei Madoff veranlagt hatten.

Schadenersatz-Begehren
Als Madoffs Riesenbetrug Ende 2008 aufflog, waren Tausende Anleger, darunter einige der Reichs­ten und Prominentesten, fassungslos. Als einer der ersten Opferanwälte wurde die Wiener Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner tätig. „Wenn Madoff noch Vermögen hat, wird er es nicht dauerhaft verstecken können. Er hat mächtige Leute betrogen, die eigene Ermittlungen führen“, erklärt Gerald Ganzger. Der Opferanwalt will die Bank Medici und die nun in der Schweiz ansässige Sonja Kohn in die Pflicht nehmen. „Wir haben einiges in Vorbereitung, warten aber die strafrechtliche Erledigung ab. Da sollte sich auch zeigen, was an Provisionen geflossen ist“, so Ganzger. Madoff-Opfer aus aller Welt blicken jetzt gespannt nach Wien.

Markus R. Leeb

Lesen Sie dazu das Interview mit dem Schadenersatz-Profi Gabriel Lansky im aktuellen NEWS 27/09!

2.7.2009 12:39