Mittwoch, 1. Juli 2009

Post-Gewerkschaft zeigt sich erleichtert:
'Atempause' durch Doris Bures wird begrüßt

  • Fritz hält Ämterschließung jedoch für einen Fehler
  • Bis Marktliberalisierung bleibt nicht mehr viel Zeit

Die Post-Gewerkschaft gibt sich fürs erste mit dem Veto von Infrastrukturministerin Doris Bures gegen ersatzlose Postämter-Schließungen zufrieden. Gewerkschaftschef Gerhard Fritz bezeichnete den Erlass der Ressortchefin im Gespräch als dreimonatige "Atempause", in der das zuletzt im Ministerrat gescheiterte Postmarktgesetz umgesetzt werden müsse. Dass die Gewerkschaft die bereits verfügte Umwandlung von 100 Postämtern zu Postpartnern akzeptiert, hängt auch damit zusammen, dass vom Unternehmen zugesichert wurde, dass es zu keinem Personalabbau kommt.

Ungeachtet dessen hält Fritz die Schließung der Ämter für einen Fehler, seien die Postpartner (Greißler o.ä.) doch letztlich nur eine Notlösung. Mit jeder Schließung gingen ja auch Spareinlagen verloren und würden sonstige Postwaren nicht mehr verkauft. Ein weiterer Abbau der Ämter nach den insgesamt geplanten 293 kommt für den Gewerkschaftschef ohnehin nicht in Frage: "Kleiner darf es ja nicht mehr sein."

Die ÖVP und auch die Wirtschaftskammer forderte Fritz auf, den Widerstand gegen das Postmarktgesetz aufzugeben. In der Sache steht er hinter dem Entwurf von Bures. Immerhin sei man der Arbeitgeber-Seite ohnehin entgegengekommen, als man bei den alternativen Anbietern im dann voll liberalisierten Markt jeglichen Kollektivvertrag akzeptiert hätte, im äußersten Fall auch den Güterbeförderungs-KV. Und dass man für die Umstellung der Hauspostfächer zwei Jahre (und nicht eines) veranschlage, sei nur realistisch.

Tempo gefragt
Tempo sei jedenfalls gefragt. Die Postmarktliberalisierung komme 2011 und daher müsse möglichst noch vor dem Sommer ein Ministerratsbeschluss erfolgen. In Kraft treten soll das Gesetz mit den neuen Regelungen für den geänderten Markt nach Ansicht Fritz' mit 1.1. 2010. Planungssicherheit sei erforderlich.

Gebremst werden vom Gewerkschaftschef Erwartungen, dass bei der Post nicht mehr benötigte Beamten nun scharenweise dem Angebot von Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) beitreten würden und zur Polizei wechseln. Er sehe die Möglichkeit positiv, man sollte aber nicht erwarten, dass jetzt 200 bis 300 Leute die nötige Eignung und Interesse mitbrächten. Bei einem ähnlichen Angebot vor einigen Jahren, zur Betrugsbekämpfungseinheit im Finanzministerium zu wechseln, hatten sich gerade einmal rund zwei Dutzende Postler gefunden.
(apa/red)

1.7.2009 14:47