Samstag, 4. Juli 2009

"David" Roddick trifft auf "Goliath" Federer:
Ausgangslage vor Herren-Finale eindeutig

  • Federer führt im Head-to-Head-Vergleich mit 18:2
  • Roddick rechnet sich dennoch Chancen auf Sieg aus

Die Ausgangslage vor dem Herren-Finale der Tennis-Grand-Slam-Turniers von Wimbledon am Sonntag (15.00 Uhr) könnte eindeutiger nicht sein: 18:2 führt Roger Federer den Head-to-Head-Vergleich mit seinem Gegner Andy Roddick an, und doch macht sich der US-Amerikaner Hoffnungen. Denn die Nummer sechs des Turniers hat hart an sich gearbeitet. Laut Roddick ist der "alte" Roddick Geschichte.

Die Fama will es, dass Roddick während des Wimbledon-Finales im Vorjahr auf einem Flughafen festsaß und den Anblick der bereits zum dritten Mal in Folge im Endspiel stehenden Federer und Rafael Nadal als demütigend empfand - schließlich war es 2004 und 2005 noch er selbst gewesen, der den Schweizer dort gefordert hatte.

Dieses Erlebnis und tiefschürfende Gespräche mit seiner Ehefrau Brooklyn Decker hätten ihn überzeugt, dass die Dinge sich verändern müssten. Roddick, der Federer lediglich zweimal auf Hardcourt - 2008 in Miami und 2003 in Montreal - besiegen konnte, arbeitete an seiner Kondition, speckte sechs Kilo an und engagierte Trainer Larry Stefanki, der Fernando Gonzalez 2007 ins Finale der Australian Open gecoacht hatte. Das und die Erfahrung vieler Jahre auf der ATP-Tour haben ihm zu neuer Stärke verholfen.

"Ich habe mich oft mit Brook darüber unterhalten, ob ich noch immer an mich glaubte oder zumindest an der Spitze mithalten könnte. An diesem Punkt hatte ich ernsthafte Zweifel daran", erinnerte sich Roddick wenige Momente, nachdem er im Halbfinale den Schotten Andy Murray besiegt hatte. "Ich habe wirklich hart gearbeitet, habe mich an alles gehalten von der Diät bis zum Schlaf und so weiter." Im Fall eines Finalsiegs wäre Roddick der erste US-amerikanische Sieg beim Rasenklassiker seit Pete Sampras 2000.

Federer gibt sich gelassen
Ob diese Hingabe reicht, Federer zum dritten Mal in die Knie zu zwingen? "Ich habe schon zwanzig Mal gegen ihn gespielt, hatte also genug Zeit, sein Spiel zu studieren und zu verstehen", meinte der Schweizer, der mit einem Finaltriumph am 14-fachen Grand-Slam-Sieger Pete Sampras vorbeiziehen und wohl endgültig zum besten Spieler aller Zeiten werden würde.

Freilich zeigte der 27-Jährige auch gehörigen Respekt vor Roddick. "Er hat gegen mich immer recht unterschiedlich gespielt, ich habe ihn auch den verschiedensten Blickwinkeln gesehen", erinnerte sich Federer. Trotz der Aussicht auf einen historischen Erfolg wollte Federer die Grand-Slam-Siege aber nicht überbewertet wissen: "Ich denke, das ist unfair gegenüber den anderen Turnieren. Auch der Masters Cup ist ein fantastisches Turnier, das ich schon vier Mal gewonnen habe. Aber aus irgendeinem Grund reden die Leute darüber nicht so viel. Das ist Schade." (apa/red)

4.7.2009 16:33