Ein Flachländler wird zum Glocknerkönig:
Niederländer Moerenhout bester Kletterer
- 35-jähriger Landesmeister sichert sich Ehrentitel
- Auch Etappensieger Weening ist ein Niederländer

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Liste der Gesamtsieger und der Glocknerkönige
Es war der Tag der Niederländer bei der 61. Österreich-Rundfahrt. Pieter Weening sicherte sich nach der 183,7-km-Fahrt von Kitzbühel nach Prägraten am Großvenediger den Sieg auf der Königsetappe, sein Rabobank-Teamkollege Koos Moerenhout hatte sich zuvor in die Liste der Glocknerkönige eingetragen. Der Schweizer Michael Albasini verteidigte als Tages-Vierter des dritten Abschnitts das Gelbe Trikot erfolgreich, bestplatzierter Österreicher war wie am Vortag Stefan Denifl als Elfter. In der Gesamtwertung verbesserte sich der Tiroler auf Rang acht (+2:11).
Weening hatte sich u.a. gemeinsam mit Albasini in der Verfolgung von Leonardo Bertagnolli engagiert, der schon nach knapp 30 Kilometern mit neun anderen Fahrern ausgerissen war und die letzten 40 Kilometer ab dem Iselsberg solo an der Spitze fuhr. Der Vorsprung schmolz im Schlussanstieg ins Virgental stetig, 500 Meter vor dem Ziel holte Weening den Ausreißer ein.
"Er war den ganzen Tag an der Spitze, normal ist er im Sprint stärker als ich", meinte der 28-jährige Holländer, der 2005 eine Etappe der Tour de France gewonnen hatte. Ich hatte Glück, aber ich war auch sehr stark", erklärte Weening, der mit vier Sekunden Vorsprung auf Bertagnolli gewann. "Mehr als so einen Sieg konnte ich bei dieser Rundfahrt nicht erwarten."
Weening nicht ganz unverdächtig
Weenings Name steht auch auf jener Liste von Sportlern, die 2008 in einer anonymen Anzeige des Blutdopings in Wien ("Humanplasma-Affäre") bezichtigt worden waren. Er hatte damals gegenüber niederländischen Medien vehement dementiert, in Osttirol wollte er sich dazu nicht äußern und schüttelte auf eine diesbezügliche Frage nur den Kopf. Sein Teamkollege, Giro-Sieger Denis Mentschow, war von der Soko Doping in Wien zu diesem Thema einvernommen worden.
Bertagnolli war der unbedankte Held des Tages. "Ich bin stark gefahren, aber ich war am Ende einfach zu müde. Schade, aber so ist der Radsport", erklärte der Gewinner einer Etappe des heurigen Giro und der Vuelta 2005. Der Schweizer Michael Albasini durfte sich hingegen auch im Ziel freuen. Der Columbia-Profi behielt das Gelbe Trikot, er führt nun elf Sekunden vor dem Italiener Giampaolo Caruso, dem Tages-Sechsten.
"Ich hatte beim Glockneranstieg keine Helfer mehr, aber ich habe auch von der Arbeit der anderen Teams profitiert, dass wir Bertagnolli eingeholt haben. Ich habe mich gut gefühlt", sagte der 28-Jährige, der für die folgenden Tage bis zum samstägigen Zeitfahren in Podersdorf zuversichtlich ist. "Die hohen Berge sind vorbei, das kommende Terrain liegt meinem Team besser."
Für Denifl die Härteste
Stefan Denifl fährt nach den zwei Bergetappen im Trikot des besten Österreichers. Der Kletter-Spezialist litt unter der Kälte und sprach von einer der härtesten Etappen seiner Karriere. "Ich bin weiter in den Top Ten, damit bin ich sehr zufrieden", sagte der 21-jährige Stubaier. "Ich brauche noch ein paar Jahre, um konstant vorne mitzufahren." Zweitbester ÖRV-Fahrer war der erst 19-jährige Vorarlberger Matthias Brändle als 15. (+2:27), der sich auf den 16. Gesamtrang verbesserte (6:29). Er hatte als erster Österreicher in der Spitzengruppe das Fuschertörl passiert.
Am Vorabend hatten Denifl, Brändle, Staatsmeister Markus Eibegger und die restlichen fünf Elk-Profis in ihrem Hotel Besuch von zwei UCI-Ärzten erhalten. Die Mediziner führten im Auftrag des Weltverbandes unangekündigte Blutkontrollen durch. "Es hat rund zwei Stunden gedauert", berichtete Denifl, der aber volles Verständnis für die Dopingkontrollen hat. "Zu befürchten haben wir zum Glück nichts", sagte Team-Manager Bernhard Rassinger.
Auf dem "Dach" der Rundfahrt war der Niederländer Koos Moerenhout vorangelegen, er passierte Fuschertörl (2.428 m), wo er sich als zweiter Niederländer den Titel eines Glocknerkönigs sicherte, und Hochtor (2.504 m) als Erster. Der 35-jährige Landesmeister aus dem Team Rabobank war in Österreich schon als Amateur aufgefallen, er gewann 1994 eine Etappe und wurde Gesamt-Zweiter hinter Harald Morscher.
(apa/red)
