Samstag, 4. Juli 2009

Pechstein schlittert auf sehr dünnes Eis:
Olympia-Siegerin wegen Blutdoping gesperrt

  • Eisschnellläuferin muss zwei Jahre lang aussetzen
  • 37-Jährige geht gegen "Indizien-Urteil" in Berufung

Die fünffache Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein aus Deutschland ist des Blutdopings überführt worden. Wie die Internationale Eislauf-Union (ISU) mitteilte, wurde der 37-jährigen Berlinerin bei den Mehrkampf-Weltmeisterschaften am 7. Februar in Hamar (Norwegen) die Benutzung verbotener Blutdoping-Methoden nachgewiesen. Die ISU hat sie für zwei Jahre gesperrt.

Pechsteins Rechtsanwalt Simon Bergmann kündigte an, beim Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Berufung gegen die Sperre einzulegen. "Es gibt keinen positiven Befund, sie ist ohne positive Doping-Probe verurteilt worden", erklärte Bergmann. Pechstein sei allein aufgrund von Indizien bestraft worden. Die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin hatte die Mehrkampf-WM im Februar wegen einer angeblichen Erkrankung abgebrochen und auf den 5.000-Meter-Lauf verzichtet.

Deutsche beklagt "Indizien-Urteil"
In einer schriftlichen Stellungnahme erklärten Claudia Pechstein und die Deutsche Eisschnelllauf Gemeinschaft, der Dopingvorwurf beruhe auf angeblich überhöhte Retikulozytenwerte, die die ISU im Blutbild der Athletin festgestellt haben will. Womit sich die ausgesprochene Sperre ausschließlich auf Indizien stütze. Weiters lautet es: "Sämtliche bei Claudia Pechstein bislang entnommenen Dopingproben hatten einen negativen Befund. Dadurch unterscheidet sich der Fall maßgeblich von den aktuellen Dopingfällen insbesondere im Radsport."

In der Disziplinarkommission der ISU hatten sich drei Funktionäre zu einem Urteil durchgerungen, obwohl auch einige Gutachter eingeräumt hatten, dass die anomalen Blutwerte Pechsteins auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden könnten. Nach der WM im Februar war Pechstein von der Bildfläche verschwunden mit dem Hinweis, dass sie nach Hamar nicht wieder zu alter Form gefunden hätte.

Unterstützung von DOSB und DESG
Indes haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) der Athletin Rückhalt gewährt. Das DOSB-Präsidium zeigte sich "bestürzt" über die Dopingsperre gegen Pechstein, stellte aber fest, "dass ein positiver Dopingtest nicht vorliegt und die Sanktion allein auf Indizien beruht. Die Beweiskraft dieser Indizien wird von namhaften Sachverständigen bezweifelt. Es wird von dem vor dem CAS laufenden Verfahren abhängen, ob dem Internationalen Verband der Beweis eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln gelingt", teilte das DOSB-Präsidium in einer Stellungnahme mit.

"Sie hat uns aber bekundet, nie gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Es gilt nun, den Verdacht so schnell wie möglich aufzuklären", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. "Es ist gut, dass es jetzt neutrale Untersuchungen gibt", fügte er hinzu. Vesper bestätigte zudem, der DOSB sei "informiert, aber nicht involviert" gewesen. (apa/red)

4.7.2009 12:41