Mittwoch, 1. Juli 2009

"Erwischen sie mich, dann bin ich dran ...":
Österreicher berichtet exklusiv aus dem Iran

  • Was in Teheran passiert und die Welt nicht mehr sieht
  • NEWS: "Auf die Straße geschleift & dann verprügelt"
    Meiste Todesopfer gehen auf brutale Basiji-Milizen

"Haltet meine Identität geheim, sonst bin ich erledigt", schreibt der Österreicher in seiner Mail. Stundenlang ist er auf der Suche nach einem Internet-Café durch Teheran gelaufen, um von dort NEWS seinen Bericht zukommen zu lassen. Einen Bericht den es eigentlich nicht geben dürfte, wenn es nach dem Regime im Iran geht. Dessen Basiji-Milizen machen längst Jagd auf jeden, der versucht, die Wahrheit zu fotografieren, zu filmen oder zu Papier zu bringen. Denn keiner soll erfahren, mit welcher Brutalität der Oppositionsprotest niedergeschlagen wird.

Kians Hemd ist schmutzig. Sämtliche Knöpfe sind abgerissen. Über eine Stunde haben wir nach ihm gesucht. Die Polizei hat ihn aufgehalten. Das Handynetz war wie immer tot. In einer Straßenecke fanden wir ihn. „Was haben sie mit dir gemacht?“, fragten wir. „Nichts, kommt, gehen wir heim, genug für heute.“ Zuhause starrt er vor dem Spiegel auf seine Wunden. „Das ist also nichts?“, frage ich ihn noch einmal. „Ja, ich hatte Glück, der Typ war mit einem anderen beschäftigt, hat ihn verprügelt, da blieb für mich keine Zeit mehr, ein anderer Polizist ließ mich laufen, keine Elektroschocker, kein Gefängnis, keine Folter, nicht einmal Knochenbrüche. Ich hatte Glück“, ist sich Kian sicher.

Auf die Straße geschleift & verprügelt
Zwei Burschen, vielleicht 12 und 14 Jahre alt, wollten sehen, was auf den Demonstrationen passiert. An den Haaren wurden sie von den Basijis auf die Straße geschleift und verprügelt. Die Schreie der Demonstranten – „Hey, die haben sich zwei Kinder genommen, lasst sie in Ruhe“ – konnten die Milizen nicht zum Einlenken bewegen. Mit Elektroschockern wurden die Burschen zum Schweigen gebracht.

Die meisten Todesopfer der vergangenen Wochen gingen auf das Konto dieser Basijis – einer wild gewordenen Bande, die seit 20 Jahren auf den nächsten Krieg wartet, wie es die meisten hier empfinden. Als Scharfschützen stellen sie sich während der Demonstrationen auf die Dächer der Stadt. Auf Motorrädern sind sie oft mit gezogener Waffe unterwegs. Wer den Schritt von den überfüllten Gehsteigen des zivilen Ungehorsams auf die Straße wagt, weiß nie, wohin sie schießen. Nur Warnschüsse in die Luft oder direkt auf menschliche Zielscheiben?

Die kompletten 245 Zeilen iranischer Wahrheit finden Sie im NEWS 27/09

1.7.2009 14:36
maierhofer____, 02. 07. '09 19:39
Wenn...
... Österreich die Organisatoren der Demos aufgrund politischer Verfolgung aufnehmen müsste,wäre hier sicher die Hölle los...

So viel zu eurer Scheinheiligkeit...
hary1965, 02. 07. '09 10:18
Wo sind die großen Vertreter des Menschenrechts
wenn es um den Iran geht geht?? Die Grünen spielen sich im gemütlichen Österreich als Vertreter des Menschenrechts auf, kämpfen um jeden kriminellen Wirtschaftsflüchtling als sei er ein Verfolgter Kämpfer der Menschenrechte in seinen Heimatland. Doch kein Grüner wagt es für Iraner Worte zu ergreifen um Menschen die wirklch verfolgt werden weil sie ein weinig Meinungsfreiheit wollen. Die Grünen führen zwar große Worte wenn es Sozialtouristen und Kriminellen in Österreich geht, haben aber die Hosen gestrichen voll, wenn es um echte Menschenrechtsverletzungen wie im Iran geht, dass sind die Grünen und der Wähler scheint diese Vertreter der Spaßgesellschaft zu durchschauen, daher verlieren sie Wahl um Wahl
Poet1980, 02. 07. '09 17:51
Re: Wo sind die großen Vertreter des Menschenrechts
Wohl wahr... aber sind wir denn nicht alle die wir davon wissen und nichts tun mitverantwortlich? Jetzt nur auf die Grünen zu gehen ist ein wenig einseitig. Leider sind "Internationale Verurteilungen" nur Worte, die nichts bewirken. In solchen Fällen MÜSSEN Mächte wie EU und die USA Handlungen setzen. Andererseits: Es gibt viele Länder auf dieser Erde, bei denen es mindestens ebenso wild zugeht und das Volk so unterdrückt wird, dass wir gar nichts davon erfahren. Letzteres liegt aber wohl auch daran, dass es die Medien einfach nicht interessiert - und uns deshalb nicht zu interessieren hat. Eine ausweglose Situation. Manchmal würde man sich dann wünschen, dass in diesen Ländern Öl vorkommt und die Amis einschreiten... Was bleibt ist Hoffnung, dass die vielen Opfer nicht umsonst sind.