Feuerinferno in Viareggio forderte 22 Tote: Premier Silvio Berlusconi ruft Notstand aus
- 22 Personen liegen schwer verletzt in Spitälern
- Experten vermuten Achsbruch als Unfallursache

Die Regierung Berlusconi hat nach der verheerenden Gasexplosion den Notstand für die toskanische Ortschaft Viareggio ausgerufen. Damit werden Gelder für die Entschädigung der Verletzten und den Wiederaufbau der bei der Gasexplosion niedergerissenen Gebäuden locker gemacht. Der Ministerrat beschloss außerdem ein Staatsbegräbnis für die Todesopfer, teilte die Regierung mit. Der Tag des Begräbnisses, der noch nicht festgelegt wurde, soll zum nationalen Trauertag erklärt werden. Für die Verletzten und die Angehörigen der Todesopfer ein Spendenkonto eingerichtet.
Nach jüngsten Angaben der toskanischen Behörden sind beim Bahnunglück in Viareggio 23 Personen ums Leben gekommen. Zuletzt erlag ein 34-jähriger Marokkaner seinen schweren Brandverletzungen. 22 Personen liegen schwer verletzt in den Krankenhäusern der Gegend, fünf von ihnen kämpfen gegen den Tod. Zwei Personen werden nach wie vor vermisst, mehrere Todesopfer müssen außerdem noch mit DNA-Tests identifiziert werden.
Achsbruch als Unfallursache vermutet
Im Bahnhof des westtoskanischen Urlaubsortes war in der Nacht aus noch unbekannter Ursache ein mit Flüssiggas betankter Kesselwaggon explodiert. Durch die Wucht der Explosion wurden zahlreiche Häuser in der Umgebung zerstört. Experten vermuten, dass ein Achsbruch an dem Tankwaggon das Inferno ausgelöst hat.
Der Chef der italienischen Staatsbahnen, Mauro Moretti, berichtete, dass der entgleiste Kesselwagen 2004 zugelassen worden sei, einige Komponenten des Sicherheitssystems würden jedoch aus dem Jahr 1974 stammen und seien in der damaligen DDR hergestellt worden."Wir werden tiefgründige Ermittlungen in die Wege leiten", versicherte Berlusconi.
Alle Waggonachsen sollen ersetzt werden
Eigentümer des Kesselwagens ist die in Wien ansässige Firma Gatx Rail Austria. Das Unternehmen hat jetzt beschlossen hat, "freiwillig und aus Vorbeugungsmaßnahmen" alle Achsen der Tankkessel zu ersetzen, die in Italien Gas transportieren und die jenem Tankwaggon ähneln, der das Unglück in Viareggio ausgelöst hat.
Die Kontrollen sollen mit den italienischen Behörden akkordiert werden, hieß es in einer Presseaussendung von Gatx. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Vermutungen, dass der Unfall in Verbindung mit einem Achsbruch stehen könnte, möchten wir jede mögliche Gefahr für die Öffentlichkeit ausschließen", betonte Gatx-Europa-Chef Johannes Mansbart.
Die für Viarregio zuständige Staatsanwaltschaft der Stadt Lucca hat Ermittlungen wegen des Bahnunglücks in die Wege geleitet. "Wir haben die Hypothese eines Attentats ausgeschlossen und sind der Ansicht, dass der Zustand der Waggons für das Unglück verantwortlich sein könnte", sagte der Oberstaatsanwalt von Lucca, Aldo Cicala. Bisher seien aber keine Ermittlungen gegen Einzelpersonen aufgenommen worden. (apa/red)
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