Sonntag, 5. Juli 2009

Fischer denkt über Amtsenthebungen nach:
Präsident regt Abwahl aus Staatsämtern an

  • Fall Martin Graf als Anlass für den politischen Vorstoß
  • Bundespräsident lässt seine Wiederkandidatur offen

Bundespräsident Fischer hat sich für eine generelle Diskussion über die Abwahl hoher Amtsträger ausgesprochen. "Es lohnt sich überhaupt, einen Blick zu machen auf die unterschiedlichen und teilweise unerklärlichen Regelungen", meinte er in der ORF-"Pressestunde" am Sonntag. Ob er wieder für das Präsidentenamt kandidiert, wollte Fischer weiterhin nicht beantworten.

Konkreter Anlass für den Vorstoß ist die jüngste Debatte um den Dritten Nationalratspräsidenten Graf. Mehrere Politiker - hauptsächlich von den Grünen - hatten aufgrund von Attacken auf den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, dessen Absetzung verlangt. Fischer wollte Graf zwar weiter nicht persönlich kritisieren, sprach aber erneut von einem antifaschistischen Grundkonsens, der in Österreich gelte.

Eine Absetzung eines Nationalratspräsidenten dürfe nicht im "Schnellschuss" erledigt werden, so Fischers Standpunkt. Man müsse sich das "sorgfältig überlegen", sich Zeit lassen und Verfassungsjuristen beiziehen. Darum plädiert der Bundespräsident für eine "gesamthafte Regelung", die nicht nur für das Präsidium des Nationalrats gelten solle, sondern etwa auch für Bundespräsidenten, Rechnungshofpräsidenten und Volksanwälte.

Bei der Entscheidung über eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit ist Fischer weiter gegen einen "Frühstart" und will sich "von niemandem unter Druck setzen lassen". Vor allem spricht sich der Bundespräsident gegen einen vorgezogenen Wahlkampf aus. "Viele in der Bevölkerung wären irritiert."

Fischer begrüßt Karlsruher Entscheidung
Die Entscheidung des deutschen Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zum EU-Reformvertrag begrüßt Fischer. In der ORF-"Pressestunde" sprach er von einem "ganz wichtigen Urteil". Für Österreich bedeute es, dass der EU-Vertrag auch in Österreich mit den Grundprinzipien vereinbar sei. Nun müsse man sich darum kümmern, dass die Mitwirkungsrechte des Parlaments ausreichend sind - "wobei wir heute schon stärkere Mitwirkungsrechte haben als in Deutschland".

Das Staatsoberhaupt verwies auch darauf, dass das österreichische Parlament an Begleitgesetzen arbeite, die sicherstellen würden, dass jener kritische Standard, den das deutsche Bundesverfassungsgericht festgelegt hat, auch hier gelten. Grundsätzlich steht der Bundespräsident weiter voll zum Vertrag von Lissabon und dessen Ratifizierung. Dieser sei das Produkt von Verhandlungen von allen EU-Staaten, das man auch "auf das gewissenhafteste" verfassungsrechtlich geprüft habe.
(apa/red)

5.7.2009 17:25
sidestep, 06. 07. '09 08:54
Ich bin auch dafür
Überraschend bin ich einmal mit Fischer einer Meinung. Ich bin auch für die Abwahl - allerdings von Fischer! Wenns geht so schnell wie möglich!
Rasso, 06. 07. '09 06:47
Lugner
Ein Lugner hätte das nicht gemacht - hoffen wir auf eine Kanditatur.
irgendwer01, 06. 07. '09 07:01
Re: Lugner
???
Der begrapscht dann die Merkel und die Frau Obama bei Staatsbesuchen oder wie soll man sich das vorstellen.

Ich hoffe das war nur ironisch gemeint !
sidestep, 05. 07. '09 18:46
Viel heiße Luft und keine konkreten Aussagen
Viel heiße Luft und keine konkreten Aussagen. So ist der HBP halt. Wie bei der Unterzeichnung des Reformvertrages die er im Alleingang vornahm und das dumme Volk nicht brauchte. Im April des kommenden Jahres wird er es dann aber brauchen. Vielleicht brauchen wir ihn dann nicht mehr!
pusher23, 05. 07. '09 21:55
Re: Viel heiße Luft und keine konkreten Aussagen
ja genau, den unnötigen vetrag hat er ja anscheinend während des großen fritzl-skandals unterzeichnet...ZUFALL???
Also ich glaube nicht an Zufälle in der Politik!! da herr fischer kann mir sympatisch ins gesicht lachen soviel er will, aber bei solchen aktionen verliert er meine stimme mit sicherheit...
Ferdiburli, 05. 07. '09 13:54
Der Herr Bundespräsident
hat mir wie immer total imponiert! Bravo, weiter so!