Faymann lud zum Krankenkassen-Gipfel:
Kanzler zeigt Sympathien für Kassenpapier
- Wird deshalb "keinen Streit in der Regierung" geben
- Bis Herbst soll endgültige Lösung gefunden werden

·Pröll sagt "Nein"
zu Sanierungspaket
Krankenkassen: Faymann
sieht ÖVP-Chef am Zug
·Medizin für unsere
"kranken Kassen"
Ärzte & Versicherung segneten Paket jetzt ab
·GKK: Stöger lockt Vorarlberg und OÖ
Verfassungsklagen hätten
keine Chance vor Gericht
·Die Krankenkassen kränkeln weiter dahin
Defizit mit "nur" 132 Mio. Euro geringer als erwartet
·Kranke Kassen: Rund 1,2 Mrd. Euro Schulden
Anstieg um weitere 300 Millionen Euro bis 2010
·Finanzspritze für kranke Kassen heuer?
Minister Stöger will noch 2009 Maßnahmen sehen
Bundeskanzler Werner Faymann zeigt Sympathie für das Krankenkassensanierungspaket, das Ärztekammer und Sozialversicherung letzte Woche vorgelegt haben. Auch dass in dem Konzept zusätzliche Gelder für die Abdeckung versicherungsfremder Leistungen verlangt werden, ist für den SPÖ-Chef nachvollziehbar. Faymann geht davon aus, das Gesundheitsminister, Wirtschaftsminister und Finanzminister dazu in Verhandlungen bis Herbst eine Lösung finden, sodass dann ein Regierungsbeschluss möglich ist.
Einen Konflikt in der Koalition kann Faymann in der Gesundheitsfrage nicht erkennen: "Es gibt keinen Streit in der Regierung." Ganz im Gegenteil, habe er gestern ein Gespräch mit Finanzminister Josef Pröll geführt und dabei erkannt, dass beide dieselbe grundsätzliche Haltung hätten. Der VP-Chef sei wie er selbst sehr für die Maßnahmen, die von Ärztekammer und Sozialversicherung vorgelegt worden seien. Bei den finanziellen Fragen gebe es aber noch Punkte, die bis in den Herbst zu klären seien.
Rezeptgebührendeckelung
Faymann deutete an, dass die Regierung den Gesundheitsvertretern entgegen kommen könnte, was deren Wünsche betrifft, beispielsweise die Einnahmenausfälle durch die Rezeptgebührendeckelung voll abzudecken. Bei diesem Punkt und "ähnlichen Dingen" sei es nun für die Bundesregierung die Aufgabe, zu schauen, "wie die Geldflüsse zu organisieren sind".
Zentrale Forderungen der Sozialversicherung betreffen neben der Rezeptgebührendeckelung auch die Zahlungen an die Bundesgesundheitsagentur sowie die Kosten für Rehab-Maßnahmen für mitversicherte Angehörige und Pensionisten, die nach Meinung der Krankenkassen von der Pensionsversicherung getragen werden sollten. Hauptverbandschef Hans Jörg Schelling betonte daher auch, dass man grundsätzlich keine zusätzlichen Finanzspritzen erwarte, sondern lediglich die Abdeckung der Kosten von Aufgaben, die eigentlich nicht in den Bereich der Krankenkassen fielen. Unabhängig vom Vorgehen der Regierung werde man jedenfalls die mit den Ärzten und anderen Vertragspartnern paktierten Maßnahmen bereits in den kommenden Tagen angehen. Das Kostendämpfungspotenzial in diesem Bereich bezifferte der Hauptverbandschef mit 1,7 Mrd.
Mediziner fordern Politik
Der Vorsitzende der niedergelassenen Ärzte, Günther Wawrowsky, würdigte nochmals das Konzept. Nun gebe es von der Seite der Mediziner die Aufforderung an die Politik, sich zu den Maßnahmen zu bekennen.
Zumindest Faymann und Gesundheitsminister Alois Stöger taten den Ärztekammervertreter diesen Gefallen. Faymann bekannte sich dazu eine Zwei-Klassen-Medizin zu vermeiden: "Wenn wir das beste Gesundheitssystem der Welt wollen, dann kostet das etwas." Stöger lobte die Trendwende, dass man vom Streit zu Lösungen am Verhandlungstisch gekommen sei.
Pröll schlägt freundlichere Töne ein
Finanzminister Josef Pröll begrüßt nach dem heutigen Gespräch von Bundeskanzler Werner Faymann mit den Spitzen von Ärztekammer und Sozialversicherung, dass Bewegung in die Gesundheitsdebatte gekommen sei. Wichtig sei, dass die vorgelegten Kostendämpfungsmaßnahmen nachvollziehbar dargelegt, präzisiert und auch realisiert würden, meinte der VP-Obmann in einer Aussendung. Gesundheitsminister Alois Stöger solle jetzt eine detaillierte, fachliche Bewertung vornehmen und danach unverzüglich mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner in Gespräche treten, damit im Herbst eine Gesamtlösung präsentiert werden könne.
An seiner Grundsatzkritik hielt Pröll trotz der wieder freundlicheren Töne fest. Der Vizekanzler erinnerte daran, dass der Regierungsauftrag gelautet habe, Kostendämpfungspotenziale im Gesundheitsbereich zu definieren: "Das ist im vorliegenden Konzept, das ich grundsätzlich positiv beurteile, nur teilweise gelungen." Denn das Papier enthalte zwischen 2010 und 2013 Mehrbelastungen von einer Milliarde Euro für das Budget: "Nachbesserungen sind also dringend erforderlich."
(apa/red)
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