Erwin Pröll wird ein starker
Bundespräsident werden 2016
- FORMAT-Chefredakteur Peter Pelinka
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Pröll wird nach einem weiteren Wahltriumph Landesvater bleiben. Und 2016 Präsident werden. Dann ist er 69, ein Jahr jünger als Fischer jetzt.
Die Absage kam klar, nach wochenlangen Spekulationen: Ich habe mich entschieden. Ich bleibe Landeshauptmann in Niederösterreich. Soweit Erwin Pröll bei einer Pressekonferenz. Als Gründe für seinen Entschluss nannte er zum einen das hervorragende Ergebnis bei der vergangenen Landtagswahl. Zum anderen die Probleme der europäischen Integration, die Niederösterreich wie kein anderes Bundesland berühre: In so einer Situation geht ein Erwin Pröll nicht von Bord. Er bleibe, so Gott will, die gesamte Legislaturperiode Landeshauptmann. Seine mögliche Kandidatur sei bei regelmäßigen Treffen mit dem Parteiobmann zwar mehrmals Thema gewesen, der habe ihm die Entscheidung über Monate hindurch freigestellt. So Pröll laut NEWS am 16. 9. 2003, sieben Monate vor der Wahl am 25. 4. 2004, die Heinz Fischer dann recht klar gegen Benita Ferrero-Waldner gewann. Parteichef Wolfgang Schüssel hatte die Außenministerin dem chancenreicheren, aber unkontrollierbareren Niederösterreicher vorgezogen.
Wie sich die Bilder gleichen: Auch diesmal lässt Erwin Pröll im Vorfeld einer Präsidentenwahl lustvoll seine Chancen ausloten. Diesmal gleich vom Herausgeber der größten Tageszeitung des Landes, der sich unvermittelt beide Prölls an der Staatsspitze gewünscht hat, Erwin in der Präsidentschaftskanzlei, Josef im Kanzleramt. Extrem früh: Schließlich wird erst in zehn Monaten das neue Staatsoberhaupt gewählt, der neue Regierungschef gar erst 2013. Wobei Hans Dichand den Termin seines Vorstoßes sicher nicht ohne Absprache gewählt hat: Bereits zuvor hatten sich Onkel und Neffe erstmals für die Krone bunt im heimischen Radlbrunn abbilden lassen, am Wochenende danach garantierten die üblichen Pröll-Festspiele zu Sommerbeginn das erwartete Echo: ein lanzvolles Konzert in Grafenegg und die bereits fast legendäre Schifffahrt durch die von Sonnwendfeuern erleuchtete Wachau. Übrigens zwei Beispiele für das geschickte, fast geniale Agieren des Landesvaters, der auf die kritische Kultur- und Wissenschaftsszene viel Wert legt, von Nitsch bis Turrini, von Deix bis Mendt.
Viel spricht dafür, dass Erwin Pröll es diesmal ähnlich hält wie 2003. Auch diesmal hat er eine Landtagswahl glorios geschlagen, auch diesmal stellt sich für ihn die Zukunfts-Frage: Pröll ist seit 1992 Landeshauptmann, seine Lust an politischer Gestaltung und persönlicher Machtausübung scheint ungebrochen. Parteichef ist jetzt aber ein anderer Pröll, dem die Chance auf die eigene Kanzlerschaft wichtiger ist als ein Verwandter in der Hofburg. Erwin Pröll müsste zudem 2010 ein größeres Risiko eingehen als 2004: Seine Chancen gegen den damaligen Klubchef der SPÖ wären ungleich größer gewesen als jetzt gegen den amtierenden und hoch angesehenen Bundespräsidenten Fischer. Verliert er, stünde er wohl am Ende seiner höchst erfolgreichen Laufbahn. Die Hintertür steht aber ohnehin offen: Auch Hans Dichand forciert einen Präsidenten Pröll für den Fall, dass der jetzige nicht mehr antritt.
Dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Nicht einmal für eine überstürzte Reaktion Heinz Fischers, der als Amtsinhaber (wie die meisten Landsleute) kein Interesse an einem zehnmonatigem Wahlkampf haben kann. Der hat unter anderem im FORMAT-Jahresgespräch 2008 angekündigt, im Herbst über seine Wiederkandidatur zu entscheiden.
Erwin Pröll wird wohl nach einem weiteren Wahltriumph ein starker Landeshauptmann bleiben, erst 2016 ein starker Bundespräsident werden. Er ist dann 69. Ein Jahr jünger als Fischer jetzt.
