Oder wars doch nur ein Bärendienst?
- Hubert Wachter über die Prölls im Doppelpack
- Plus: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Ein einflussreicher Privater will die beiden Prölls an der Spitze sehen. Man fragt sich, wem dieser Wunsch nützt, den Prölls oder doch der SPÖ?
Enorm, wie ein paar Zeilen privater Politik- Wünsche eines Zeitungschefs (Beide Prölls an die Spitze!) binnen Tagen die Republik in Atem halten können. Was war das wirklich? Die liebenswürdige, durchaus väterlich gemeinte Aufforderung an die derzeit tatsächlich stärkste Politiker-Familie dieser Republik, sich als enorme Persönlichkeiten einer zunehmend verunsicherten Bevölkerung anzunehmen? Oder war es womöglich doch ein gewaltiger Bärendienst an den beiden Prölls, vielleicht sogar parteitaktisch durchaus exakt und penibel durchgeplant?
Zunächst eine Grundfrage. Was immer auch passiert, man tut gut daran, sich jeweils dazu zu fragen: Cui bono? Frei übersetzt: Wem zum Vorteil? wem dient, was eben passiert ist? Nun, öffentlich wurde ausgesprochen, was politisch demnächst sein möge: nämlich, die beiden Prölls an die Spitze des Staates zu befördern. Selbstredend demokratisch, per Wahlen natürlich. Zunächst Erwin Pröll als Bundespräsidenten in die Hofburg und spätestens drei Jahre später dessen Neffen Josef Pröll als Bundeskanzler in das ehemalige Ballhaus der Monarchie, vis-à-vis der Hofburg. Dies wäre eine Polit-Wende der besonderen Art, wie noch nie in Österreich.
Politische Doppelmühle. Bundeskanzler Werner Faymanns SPÖ ist in keinem wirklich tollen Zustand, alle Umfragen sehen sie derzeit deutlich hinter der ÖVP. Angenommen, der starke Erwin Pröll tritt zur Hofburg-Wahl an und verliert knapp die SPÖ würde über das Verliererimage der ganzen ÖVP herzhaft jubeln. Umgekehrt, zieht Erwin Pröll in die Hofburg ein, jede Wette drauf, dass seines Neffen Kanzler-Plan, spätestens 2013 Regierungschef zu sein, mehr als torpediert würde. Woran sich die SPÖ hochranken, neu positionieren und profilieren könnte. Jahrelang. Sollte diese Polit-Doppelmühle auch nur im Ansatz tatsächlich so angedacht gewesen sein, wärs perfid und grenzgenial zugleich. Das aber ist so weder dem Zeitungschef noch der SPÖ in ihrem Ist-Zustand wirklich zuzutrauen. Daher: Vielleicht ist alles auch nur purer Zufall
