Weiter Spekulationen um Jacksons Tod:
"Die Wahrheit muss noch herauskommen"
- Clan des "King of Pop" ließ 2. Obduktion vornehmen
- Anwalt: Leibarzt "in keinster Weise ein Verdächtiger"
Ex-Angestellte: "Musste ihm oft Magen auspumpen"
·Die Welt trauert um den "King of Pop"
BILDER: Tränen für einen
ganz großen Künstler
·Michael Jacksons Leben in BILDERN
Seine Mega-Konzerte, seine Fans, seine Tiefen
·Fans tanzen sich die Trauer aus dem Leib
Spontane Massen-"Moon- walks" in London & Wien
·Michael Jacksons Kollegen erinnern sich
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·Er wurde "Opfer seiner Popularität"
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Mehr als 750 Millionen verkaufte Tonträger
·Medikamentenmiss-
brauch Todesursache?
Vermutung der Familie. Kritik an Entourage

Michael Jacksons Tod bleibt ein Rätsel: Die Familie des "King of Pop" ließ am Samstag überraschend eine zweite Obduktion machen. "Die Wahrheit muss noch herauskommen", sagte Vater Joe Jackson Medienberichten zufolge. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Gewalt als Todesursache schloss die Polizei nach der offiziellen Autopsie aus.
Viele Spekulationen rankten sich um die mutmaßliche Medikamentensucht des Megastars, auch um eine letzte Morphiumspritze, die Jackson etwa eine halbe Stunde vor seinem letzten Atemzug bekommen haben soll. Auch was aus den drei Kindern Prince (12), Paris (11) und Blanket (7) wird, bleibt weiter offen.
Jacksons Leichnam ist inzwischen auf Wunsch der Familie aus dem gerichtsmedizinischen Institut in Los Angeles an einen geheim gehaltenen Ort gebracht worden. Einen Zeitpunkt für die Beerdigung gab es noch nicht.
Leibarzt steht Rede und Antwort
Schlüsselfigur bei den Ermittlungen wird zunehmend Jacksons Privatarzt Conrad Murray, der den angeblich schwer medikamentensüchtigen Jackson seit Mai betreute und ihn nach dem Zusammenbruch wiederzubeleben versuchte. Der Herzspezialist stand der Polizei in der Nacht auf Sonntag Rede und Antwort. Einzelheiten der etwa dreistündigen Befragung wurden nicht mitgeteilt.
Die Polizei erklärte lediglich, der Arzt sei kooperativ gewesen. Er habe "Informationen zur Verfügung gestellt, die bei den Ermittlungen helfen werden". Die von Murray eingeschaltete Anwaltskanzlei betonte laut "Los Angeles Times", ihr Mandant sei "in keiner Weise ein Verdächtiger". Er werde so lange in Los Angeles bleiben, wie er für die Ermittlungen gebraucht werde. Die Familie warf dem Arzt dagegen vor, ihr die Informationen über Jacksons letzte Stunden zu verweigern.
Der Sänger, einer der größten Popstars aller Zeiten, war am Donnerstag völlig überraschend mit 50 Jahren gestorben. Er erlitt in seiner Luxusvilla in Bel Air, einem Prominentenviertel von Los Angeles, einen Herzstillstand. "Es gab keine Anzeichen für äußere Verletzungen oder Mord", sagte der gerichtsmedizinische Sprecher Craig Harvey nach der offiziellen Autopsie vom Freitag. Das Ergebnis genauerer Tests wird erst in vier bis sechs Wochen erwartet.
Vor Tod Schmerzmittel genommen
Die Gerichtsmediziner bestätigten jedoch, dass Jackson verschreibungspflichtige Medikamente genommen hat. Nach Informationen des Internetdienstes tmz.com war der Star seit Jahren von heroin- und morphiumähnlichen Medikamenten abhängig. Zuletzt habe er täglich eine Spritze des schweren Schmerzmittels Demerol erhalten, die letzte an seinem Todestag gegen 11.30 Uhr. Kurz darauf sei der Herzstillstand eingetreten.
Die Polizei beschlagnahmte später das Auto des Arztes, nannte ihn aber ausdrücklich nicht verdächtig. Der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson, ein enger Freund der Familie, sagte dem Nachrichtensender CNN am Samstag nach einem Besuch bei den Angehörigen, sie seien wegen Murrays Rolle zunehmend beunruhigt und verstört. "Wann kam der Doktor? Was machte er? Gab er ihm eine Spritze? Und wenn ja, was für eine?", fragte der Bürgerrechtler.
Eine Aufzeichnung des Notrufs aus Jacksons Haus an die Polizei wurde inzwischen veröffentlicht. "Er atmet nicht", sagt eine Männerstimme. "Er ist bewusstlos". Der Arzt sei dabei, den Patienten auf seinem Bett wiederzubeleben, hört man weiter. "Er (der Arzt) drückt auf den Brustkorb, aber er reagiert auf gar nichts". Die Identität des Anrufers war zunächst nicht bekannt.
Angestellte musste ihm oft Magen auspumpen
Eine frühere Angestellte des Popstars sagte, sie habe ihm wegen seiner gefährlichen Drogencocktails regelmäßig den Magen auspumpen müssen. "Es gab eine Zeit, da war es so schlimm, dass ich die Kinder ihn nicht sehen ließ", sagte Grace Rwaramba der britischen "Sunday Times". Sie hat eigenen Angaben zufolge über ein Jahrzehnt für Jackson gearbeitet, zuletzt als Kindermädchen, war aber im Dezember 2008 entlassen worden.
Jackson nahm jahrzehntelang Schmerzmittel ein, war aber nach Meinung seines früheren Konzertmanagers Marcel Avram nicht von ihnen abhängig. "Der Mann war nicht süchtig", sagte der 70-jährige Deutsche in London. Jacksons Haare hätten bei Dreharbeiten für eine Pepsi-Werbung im Jahr 1984 Feuer gefangen. Seitdem habe er ein Haarteil getragen und für die stark verbrannte Kopfhaut Schmerzmittel eingenommen.
Tauziehen um die drei Kinder
Unterdessen verdichteten sich die Anzeichen, dass es zu einem Tauziehen um die Kinder kommt. Medienberichten zufolge erwägt Jacksons frühere Frau Debbie Rowe, Anspruch auf das Sorgerecht für die beiden älteren Kinder zu erheben, deren leibliche Mutter sie ist. Die Mutter des kleinen Blanket (offizieller Name: Prince Michael Jackson II) ist nicht bekannt.
Alle drei Kinder wollten jedoch bei den Großeltern bleiben, berichtete tmz.com unter Hinweis auf Angehörige. Die Familie stehe zu hundert Prozent hinter diesem Wunsch. Derzeit sind die Kinder in der Obhut ihrer Großmutter, Katherine Jackson.
Die Flut von Würdigungen riss nicht ab. US-Präsident Barack Obama bezeichnete Jackson am Freitag als "spektakulären Künstler" und als "Musik-Ikone". Das Repräsentantenhaus im US- Kongress legte zu Ehren des Musikers eine Schweigeminute ein. Jackson werde "auf ewig in meinem Herzen weiterleben, aber das wird nicht genug sein", sagte Hollywoodstar Elizabeth Taylor, eine enge Vertraute Jacksons. "Ich liebte Michael mit meiner ganzen Seele und ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen".
Angst, so zu sterben wie Elvis
Jackson hatte nach Angaben seiner Ex-Frau Lisa Marie Presley Angst davor, so zu sterben wie ihr Vater Elvis. Vor 14 Jahren "hatten Michael und ich ein tiefes Gespräch über das Leben ganz allgemein", schrieb die 41-Jährige ins Tagebuch ihrer Fan-Internetseite. "Ich kann mich an den genauen Inhalt nicht mehr erinnern, aber er hat mich wohl über die Todesumstände meines Vaters gefragt." In ihrem Eintrag hieß es weiter: "Irgendwann hielt er inne, starrte mich sehr intensiv an und sagte mit einer fast ruhigen Gewissheit: "Ich befürchte, dass ich genauso enden werde wie er, auf seine Art und Weise."" Elvis Presley starb im Alter von 42 Jahren offiziell an Herzversagen.
Zahllose Fans rund um den Globus setzten auch am Wochenende ihre Trauerbekundungen fort. Die Familie bedankte sich bei den Anhängern weltweit für alle Anteilnahme und Unterstützung. "Bitte verzweifelt nicht, weil Michael in jedem von Euch weiterleben wird", hieß es nach Angaben des "People"-Magazins in einer von Vater Joe Jackson veröffentlichten Erklärung. "Verbreitet seine Botschaft weiter, denn das hätte er sich von Euch gewünscht. Macht weiter, damit sein Vermächtnis für immer lebt."
(apa/red)
