Montag, 29. Juni 2009

"Außergewöhnlich teuflisch": 150 Jahre
Haft für Milliardenbetrüger Bernard Madoff

  • 71-Jähriger prellte Anleger um viele Milliarden Dollar
  • Zuletzt gezeigte Reue stimmte Richter nicht milde
    Höchststrafe für Ex-Lieblingskind der Wall Street

Im wohl größten Betrugsfall der Wirtschaftsgeschichte ist der frühere Star-Investor Bernard Madoff von einem New Yorker Gericht zu 150 Jahren Haft und damit in allen Anklagepunkten zur Höchststrafe verurteilt worden. "Es ist die Entscheidung dieses Gerichts, dass Bernard Madoff zu 150 Jahren im Gefängnis verurteilt wird", sagte Richter Denny Chin. Das Gericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Das Verbrechen sei "außergewöhnlich teuflisch", so der Richter.

Kurz vor Verkündung des Strafmaßes hatte der 71-jährige Madoff sich noch bei seinen Opfern entschuldigt: Es tue ihm leid, sagte der Mrd.betrüger. Er müsse nun "bis ans Ende seiner Tage mit diesem Schmerz leben". An einige der vor Gericht anwesenden Opfer gewandt fügte er hinzu: Es gebe keine Entschuldigung für sein Handeln, er bitte daher nicht um Vergebung. Seinen Angehörigen hinterlasse er ein schweres Erbe der Schande, sagte Madoff. "Ich bin für eine Menge Kummer und Leid verantwortlich."

Die Zuschauer im Gerichtssaal, darunter viele Opfer, applaudierten bei der Bekanntgabe des Urteils. Madoffs Anwälte hatten mit Hinweis auf das fortgeschrittene Alter und das Geständnis des Angeklagten den Richter aufgefordert, Milde zu üben.

Komplexes Pyramidensystem
Der einstige Star-Investor Madoff hatte über Jahre mit einem komplexen Pyramidensystem Investoren um Mrd. Dollar geprellt. Nachdem sein betrügerisches System im vergangenen Dezember zusammengebrochen war, wurde er wegen Diebstahls, Geldwäsche und Urkundenfälschung angeklagt.

Madoffs Pyramidensystem war so kompliziert, dass die Ermittler noch nicht einmal das genaue Ausmaß des Schadens berechnen konnten. Sie gehen davon aus, dass er etwa 13 Mrd. Dollar von seinen Investoren bekam. Zuvor war von bis zu 50 bis 65 Mrd. Dollar die Rede. Er habe den Eindruck, dass Madoff vor Gericht nicht sein ganzes Wissen mitgeteilt habe, um die Entschädigung der Opfer zu erleichtern, kritisierte Richter Chin.

Madoff hatte sich im März in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. Zugleich räumte er ein, dass Geld einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn ausübe. Bei Madoffs kriminellen Machenschaften handelte es sich um den mutmaßlich größten Betrugsfall der Wirtschaftsgeschichte. Laut Anklage soll Madoff spätestens seit den frühen 90er Jahren Gelder von Anlegern, die er vor allem in der jüdischen Gemeinde der USA einsammelte, nicht etwa in Aktien und Optionen angelegt haben. Vielmehr habe er die Milliarden lediglich auf einem Konto gelagert und Kunden, die Geld abziehen wollten, aus den Mitteln ausgezahlt, die er von neuen Anlegern eingeworben hatte.

Renditen vorgegaukelt
Über Jahrzehnte soll Madoff über Marktschwankungen hinweg seinen Kunden auf diese Weise Renditen im zweistelligen Prozentbereich vorgegaukelt haben. Mit Tausenden gefälschter Kontoauszüge soll Madoff einen Wert der Anlage von insgesamt 65 Mrd. Euro vorgespiegelt haben.

Zu den Geschädigten gehören Prominente wie der Regisseur Steven Spielberg, aber auch Stiftungen wie die des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel sowie Tausende von Privatanlegern, Pensionsfonds, Hedgefonds und wohltätige Einrichtungen. Auch Banken in Europa, darunter die österreichische Medici Bank investierten bei Madoff. Österreichische Privatanleger sollen laut Nationalbank mit rund 350 Mio. Euro betroffen sein. Von den Einnahmen finanzierte Madoff der Anklage zufolge nicht nur Auszahlungen an Anleger, sondern auch den eigenen aufwendigen Lebensstil. Zu den Besitztümern, deren Einzug das Gericht beschlossen hat, gehören Millionen von Dollar teuere Immobilien in New York und Palm Beach, Florida, sowie eine Jacht.

(apa/red)

29.6.2009 22:30
brezi77, 30. 06. '09 12:25
Ich hätte ...
... diesen Typen zum Tode verurteilt. Ich möchte garnicht wissen, wieviele Existensen von kleineren Anlegern durch diesen miesen Betrüger vernichtet wurden. Anstatt den noch auf Staatskosten durchzufüttern würde ich den hinrichten lassen. Das wäre mal ein deutliches Zeichen für die restlichen Kapitalverbrecher. Meine Meinung ...
scoobidoo, 30. 06. '09 13:29
Re: Ich hätte ...
ist doch jeder selbst schuld,wenn er sich auf diese geldzockerei einlässt
irgendwer01, 02. 07. '09 12:45
Re: Ich hätte ...
Anlage in einem Fonds als Geldzocke zu beurteilen finde ich ein bisschen übertrieben. Gibt sicher riskantere Anlageformen.

Sollte man Geld in einen Fonds veranlagen und der Fonds entwickelt sich schlecht - ist man selber schuld. Hier ist aber das eingezahlte Geld nie im Fonds gelandet, sondern ist für andere als Auszahlung herangezogen worden. Waschechtes Pyramidensystem - schwerste Veruntreuung !
Poet1980, 29. 06. '09 18:05
Jaja das liebe Geld...
Dazu kann ich echt nur eines sagen:
Gehts um Geld gibt es Höchststrafen
Wird aber jemand ermordet oder missbraucht: in ein paar Jahren wieder frei
Es lebe das Rechtssystem...
maierhofer____, 29. 06. '09 22:18
Re: Jaja das liebe Geld...
Stimme dir zu...
tfpalpatine, 29. 06. '09 23:22
Re: Jaja das liebe Geld...
ja, kann ich auch nur zustimmen.
antikapitalist, 30. 06. '09 07:09
Re: Jaja das liebe Geld...
das goldene kalb muss beschützt werden,versteht ihr das nicht!!!
irgendwer01, 30. 06. '09 08:46
Re: Jaja das liebe Geld...
Eigentlich egal - der ist 71 !
150 Jahre Strafe - ich glaube nicht das er 221 Jahre alt wird.