Freitag, 26. Juni 2009

Wifo und IHS sehen Hoffnungsschimmer:
Konjunktur ab '10 wieder im Aufwärtstrend

  • Heuer schrumpft Wirtschaft aber um 3,4-4,3 Prozent
  • Zahl der Arbeitslosen wird auf knapp 310.000 steigen

Österreichs Wirtschaft wird heuer infolge der schwersten Rezession der Welt in der Nachkriegszeit kräftig schrumpfen, doch erwarten die Konjunkturexperten bereits für kommendes Jahr wieder ein leichtes Wachstum. Für 2009 gehen Wifo und IHS von einem BIP-Rückgang um 3,4 bzw. 4,3 Prozent aus, für 2010 sehen die beiden Institute ein kleines Plus von 0,5 bzw. 0,3 Prozent. 2008 war die heimische Wirtschaft noch um 1,8 Prozent gewachsen.

Die Zahl vorgemerkter Arbeitsloser in Österreich dürfte 2009 und 2010 zusammen um rund 100.000 auf knapp 310.000 ansteigen. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition steigt daher heuer von 5,8 auf 7 1/2 Prozent und nächstes Jahr auf zumindest 8 1/2 Prozent. Damit sei die höchste Rate seit dem Jahr 1953 erreicht, sagte IHS-Leiter Bernhard Felderer. Etwas entschärft wird die Situation nur durch die Kurzarbeit, bei der die Experten aber mehr Schulungs- und Ausbildungsakzente vermissen.

Die Warenexporte dürften heuer um 14 bis 15 Prozent sinken, im 1. Quartal hatte der Rückgang sogar ein Viertel betragen. 2010 sollen die Ausfuhren leicht um knapp 1 Prozent bis 2 1/2 Prozent zulegen. Die Warenimporte sinken heuer um 9,5 bis 11 Prozent, 2010 sollen sie um 1/2 bis 1 1/2 Prozent steigen. Die Sachgütererzeugung ist vom Exportausfall besonders stark betroffen - ihre Wertschöpfung wird heuer real um 10 Prozent schrumpfen, nimmt das Wifo an.

Robust entwickelt sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte. Trotz geringerer Zunahme der Pro-Kopf-Bruttoverdienste bei zugleich sinkender Beschäftigung und steigender Arbeitslosigkeit nimmt der Konsum heuer real um 0,2 Prozent zu, glaubt das Wifo. Das IHS sieht hier heuer 0,2 Prozent reales Minus. 2010 soll der Privatkonsum ähnlich zulegen wie das BIP, um 0,5 (Wifo) bzw. 0,2 (IHS) Prozent.

Keine Talsohle in Sicht
Aiginger sagte, beim Konjunkturabschwung sei zwar "die Talsohle in Sicht". "Es gibt eine Entspannung, aber noch keine Entwarnung." Es sei weiter eine aktive Wirtschaftspolitik nötig mit Stimulanz durch den Staat, die nicht zu früh, etwa schon 2010, zurückgefahren werden dürfe, so Aiginger. Dass die IHS-Prognose mit 4,3 Prozent BIP-Minus 2009 pessimistischer ist als jene des Wifo, liegt daran, dass das IHS im 2. Quartal noch einen stärkeren Einbruch sieht. Für danach geht das Wifo schon fürs 3. Quartal von einem "Nullwachstum" gegenüber dem Vorquartal aus, das IHS erst im 4. Quartal.

Der "Österreich-Bonus" bleibe auch in der Krise weiter erhalten, betonte Aiginger. Im Schnitt der letzten sieben Jahre sei die heimische Wirtschaft jedes Jahr um 1 Prozentpunkt stärker gewachsen als Deutschland und um 0,6 Prozentpunkte kräftiger als die Eurozone. Zu erklären sei dies unter anderem durch die hohe Flexibilität der heimischen Wirtschaft, der Problemlösungskapazität der Sozialpartner, der heuer wirksamen Einkommensteuerreform und der Konjunkturpakete.

Das durch die Wirtschaftskrise stark steigende Budgetdefizit und die weiter kletternden Staatsschulden müssen danach wieder gesenkt werden, verlangten Felderer und Aiginger. Das Defizit dürfte - nach 0,4 Prozent des BIP im Vorjahr - heuer auf fast 4 1/2 Prozent klettern und 2010 auf rund 5 1/2 Prozent, so die Experten. Der Schuldenberg, 2008 noch 62,5 Prozent des BIP, dürfte bis 2011 auf 80 Prozent wachsen.

Konsolidierungsbedarf von 40-50 Mrd. Euro
Felder, auch Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses, rechnete vor, dass die 20 Prozentpunkte zusätzliche Schulden binnen drei Jahren einen Absolutbetrag von 55 Mrd. Euro ausmachen, bezogen auf das BIP von 2008. Allein dafür seien zusätzlich 2,5 Mrd. Euro Zinsen jährlich zu berappen, neben den ohnedies schon 7,5 Mrd. Euro für die ersten 60 Schulden-Prozent. "Das kann niemand verkraften, das muss man zurückführen", betonte Felderer und bezifferte den Konsolidierungsbedarf mit 40 bis 50 Mrd. Euro.

Das IHS erwartet für 2009 einen Anstieg des Gesamtstaats-Defizit auf 4,4 Prozent und für 2010 auf 5,4 Prozent. Das Wifo geht von 4,3 bzw. 5,8 Prozent aus. In den USA dagegen wird das Defizit heuer von 6 auf 12 Prozent klettern und 2010 bei 14 Prozent liegen, so Aiginger. Die Schuldenquote Österreichs sieht das Wifo zunächst auf heuer 70,5 Prozent und 2010 dann 76 Prozent steigen.

In der jetzigen Konjunkturkrise sei eine drastische Rückführung des Defizits noch "nicht angebracht", so das IHS. "Niemand redet von Reformmaßnahmen vor 2011", sagte Felderer. Dafür seien "in den folgenden Jahren harte Konsolidierungsanstrengungen notwendig". Unumgänglich seien dabei weitreichende Reformen in der Verwaltung, den Beziehungen der Gebietskörperschaften zueinander, bei den Pensionen sowie im Bildungs- und Gesundheitssystem. Stärkere Konsolidierungsbemühungen bereits in den Jahren der Hochkonjunktur hätten nun in der Krise den gleichen Konjunkturimpuls bei geringerem Defizit ermöglicht, schreibt das Wifo der Politik ins Stammbuch.
(apa/red)

26.6.2009 14:49
RolandWieser, 30. 07. '09 15:40
Eine Watschn für die Armen
Wo die Zeiten unsicher werden, wo die Arbeistlosigkeit wächst und die Armut steigt fordert der, ich betone „christlich-soziale“ Finanzminister eine Kürzung von etwa 15 Prozent. Damit laut seiner Aussage: „sich die Menschen nicht in die soziale Hängematte legen“.

Interessant ist, dass dieser, in seiner Argumentation Humpty Dumpty – Finanzminister, Mitglied einer Partei ist die gerade ein Spekulationsskandal mit Verlusten von hunderten Millionen Euros verantworten muss und die dafür steht dass Banken weiterhin mit Milliarden Steuergeld gestopft werden, obwohl sich deren Manager hohe Dividenden auszahlen.


Schade finde ich ist, dass der Sozialminister dem Druck der ÖVP beigab, sogar gegen den Wiederstand der Basis, die, verzeihn sie mir die Aussage, wenigstens noch Eier hat.