So günstig war der Führerschein noch nie:
Zwischen Fahrschulen tobt Preisschlacht
- Billiganbieter setzen den Markt massiv unter Druck
- Schüler sind oft Leidtragender bei Dumpingpreisen

·Jeder Fünfte fällt
bei Fahrprüfung durch
Sinkende Leistungen bei Österreichs Fahrschülern
·Rasern & Alkolenkern
geht es an den Kragen
Sicherheitspaket im Ministerrat beschlossen
Willi Koblizek ist ein gemachter Mann. Der Besitzer der Drive Company Fahrschule Schwedenplatz in Wien führt den Betrieb in dritter Generation und hält sich mit 2.000 Schülern pro Jahr und 35 Angestellten an der Spitze der heimischen Unternehmen in dieser Branche. Dennoch hat sich der 38-Jährige nun daran gemacht, mehr Kostenwahrheit bei den österreichischen Fahrschulen einzufordern. Denn: Viel zu viele Konkurrenten gehen mit Dumpingpreisen auf Kundenfang. Die Preisschlacht ist gewaltig.
Einige schwarze Schafe wollen allerdings fragwürdig auf ihre Kosten kommen. Koblizek: Viele Schulen locken mit billigen Packages für Theorie und Praxis und holen sich ihr Geld dann über diverse Extrazahlungen und Taxen. So etwa würden Fahrschüler oft mit Absicht zu früh zur Prüfung geschickt, um im Falle eines Scheiterns weitere Fahrstunden verrechnen zu können.
Preise wie vor zehn Jahren
Aber selbst seriöse Betreiber wie Koblicek müssen mit ih- ren Preisen derzeit an die unterste Schmerzgrenze gehen. So etwa kostet am Schwedenplatz eine Fahrstunde derzeit 49 Euro, vor zehn Jahren verrechnete man dafür 500 Schilling, inflationsbereinigt also nicht weniger.
Meine Fahrstunden sind ein Nullsummen-Spiel, sagt der Company-Chef, da bleibt mir kaum ein Cent übrig. Gemeinsam mit Manfred Kuhn, Besitzer der Fahrschule Ottakring und Innungschef der Wiener Fahrschulen, wollen die seriösen Betreiber nun eine Art Gütesiegel für heimische Betriebe anstreben.
Kuhn: Es gibt viel zu viele schwarze Schafe in unserer Branche. Wir wollen Kostenwahrheit für den Kunden und eine transparente Leistungsaufstellung bei den einzelnen Angeboten.
Das Problem: Dumping-Fahrschulen setzen mit ihren Billigangeboten in weiterer Folge darauf, dass die Kunden erst einmal eingeschrieben aufgrund der hohen Folgekosten trotzdem nicht abspringen. Koblizek: Wer steigt denn schon aus, wenn er bereits 15 Fahrstunden hinter sich hat und draufkommt, dass der Schein doch nicht ganz so billig kommt?
Schüler sind Leidtragende
Erst unlängst haben mehrere Fahrschulen in Graz Konkurs angemeldet, um ein paar Wochen später unter anderem Namen wieder aufzusperren. Manfred Kuhn: Die Leidtragenden sind die Schüler, oft selbst noch Jugendliche, die dann um ihren Kursbeitrag umfallen, den sie sich mühsam erspart oder von ihren Eltern geschenkt bekommen haben.
Kritisiert wird aber auch die seinerzeit von Minister Gorbach erlassene Gesetzesverordnung, wonach lediglich zwölf Fahrstunden verpflichtend sind und dann die freie Wahl weiterer notwendiger Praxis-Einheiten besteht.
Koblizek: Das öffnet der Manipulation durch die Fahrschulen alle Möglichkeiten. Und die wiederum geht auf Kosten der Schüler.
Walter Pohl
Lesen Sie im aktuellen NEWS 26/09 über die Gespräche mit Infrastrukturministerium.

