Montag, 29. Juni 2009

Brasilianer triumphieren im Confed-Cup:
Setzen sich im Finale gegen die USA durch

  • Selecao verwandelt 0:2-Rückstand noch in 3:2-Sieg
  • Lucio erlöst den fünffachen Weltmeister in 84. Minute

Der Rekord-Weltmeister darf sich nun auch Rekord-Sieger des Fußball-Turniers um den "FIFA Konföderationen Cup" nennen. Der fünffache Champion Brasilien gewann am Schlusstag die achte Auflage in Johannesburg durch ein harterkämpftes 3:2 über die USA, damit zum dritten Mal nach 1997 und 2005 die Trophäe und verteidigte den Titel erfolgreich. Letzteres war bisher nur dem früheren Welt- und Europameister Frankreich (2001, 2003) gelungen.

Mit dem Erfolg, durch den die Südamerikaner Spanien als Erster der FIFA-Rangliste wieder ablösen dürften, ist auch ein Fluch verbunden. Bisher ist es noch keinem Confed-Cup-Sieger gelungen, ein Jahr nach der Generalprobe auch den WM-Titel zu holen. Lange Zeit hatte im Ellis Park vor 52.291 Zuschauern auch nicht viel darauf hinzudeuten, dass sich die "Samba-Tänzer" mit dieser Hypothek belasten würden. Die "Yankees" führten zur Pause völlig verdient 2:0 und schienen nach dem unerwarteten 2:0 im Halbfinale über Europameister Spanien auf dem besten Weg zu einer neuerlichen Sensation.

Brasilien zeigt Siegeswillen
352 Tage vor WM-Anpfiff jubelte letztlich aber doch der Favorit, der dank des Anschlusstores zum 1:2 durch Luis Fabiano 39 Sekunden nach dem Wechsel wieder ins Spiel fand, durch den Stürmer des FC Sevilla ausglich (74.) und durch Kapitän Lucio (84.) zum Sieg kam. Obwohl wie schon im Halbfinale gegen Südafrika (1:0) etwas müde wirkend, zeigte die "Selecao" vor allem in den zweiten 45 Minuten den unbedingten Willen zum Sieg. "Ich war von der Vorstellung meiner Mannschaft entzückt", lobte Carlos Dunga, der in der Halbzeit seiner Truppe das Flügelspiel gepredigt hatte.

Es wäre nach dem 0:2 sehr schwierig gewesen, doch seine Spieler hätten sich nicht aufgegeben, sondern um ihre Chance gekämpft. "Wir zeigten Professionalismus auf hohen Level", befand der brasilianische Teamchef, der laut eigenen Angaben noch nie eine Mannschaft erlebt hat, in der es während 20 Tagen des Beisammenseins keine Probleme oder Konflikte gegeben habe. "Wir können das WM-Turnier gar nicht erwarten", sagte Dunga, dessen Schützlinge nicht den gleichen Fehler wie Ronaldinho und Co. nach deren Confed-Cup-Coup 2005 in Deutschland begehen werden.

Konzentration auf die WM
Dem Triumph war damals das WM-Aus im Viertelfinale (0:1 gegen Frankreich) gefolgt. "Wir müssen diese Euphorie vermeiden, die wir damals vor der WM hatten", warnte Kaka und erinnerte an das Trainingslager unter Teamchef Carlos Parreira 2006 in der Schweiz, das Züge von Karneval hatte. Doch unter Dunga und dessen Assistenten Jorginho weht ein ganz anderer Wind im Team. "Wir werden uns ruhig und konzentriert vorbereiten. Es wird auch darauf ankommen, wie die Spieler mit der Favoritenrolle umgehen können", sagte der Cheftrainer. "Wenn wir dazu fähig sind, dieses Turnier zu gewinnen, dann sind wir noch zu viel mehr fähig."

Ein Jahr vor dem WM-Turnier in Südafrika und 15 Jahre nach ihrem Viertelfinal-K.o. gegen Brasilien bei der Heim-WM 1994 stürmten die USA auf die internationale Bühne. "Wir haben der Welt gezeigt, dass wir Fußball spielen können", sagte der gebürtige Brasilianer mit steirischen Wurzeln, Benny Feilhaber, nach der grandiosen Vorstellung seines Teams in der ersten Hälfte und dem vorherigem Sieg gegen Europameister Spanien, dessen Serie (15 Siege en suite und 35 Länderspiele ohne Niederlage) sensationell gestoppt worden war.

"Herzzerbrechende Niederlage"
Dabei glänzte auch Landon Donovan, der zunächst das Positive herausstrich: "Die USA haben gezeigt, dass sie eine Fußball-Supermacht herausfordern können, sie müssen sie nur noch besiegen, um einen großen Titel zu gewinnen." Natürlich waren die "Yankees" aber auch enttäuscht, die New York Times schrieb von einer "herzzerbrechenden Niederlage". Das erste Gegentor hat ihnen laut Donovan das Genick gebrochen. "Wir waren so nah dran, das macht es so schmerzvoll", meinte der Stürmer, dessen Heimat im 16. Länderspiel gegen "Brasil" der zweite Sieg nach 1998 (Gold Cup) versagt blieb, aber dessen zweiter Platz als einer der größten Erfolge in die 93-jährige Verbandsgeschichte einging.

"Meine Gefühle sind eine Mischung aus großer Enttäuschung und enormen Stolz. Wir haben gezeigt, dass wir ein gutes Team besitzen und über großartige Spieler verfügen. Und ich weiß, dass wir uns weiterentwickeln und Fortschritte machen werden", meinte US-Coach Bob Bradley, der vor der Pause ein "exzellentes Spiel" seiner Boys gesehen hatte und für den Unterschied nach der Pause Kaka verantwortlich machte. "Er ist nicht aufzuhalten, reißt Lücken auf, leitet Aktionen ein, ist der Trumpf Brasiliens."

Werbung für den Fußball
Werbung für den Fußball und die WM 2010 hatten vor dem Finale auch Spanien und Südafrika im Spiel um den dritten Platz betrieben, in dem in Rustenburg ebenfalls fünf Tore (3:2 n.V.) fielen. Allein schon die Torfolge (0:1, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2) machte die Partie zum Krimi. "Es war ein fantastisches Spiel, in dem für beide Teams der Sieg möglich war", sagte Südafrikas brasilianischer Teamchef Joel Santana, dessen spanischer Kollege Vicente del Bosque den in der ersten Hälfte vergebenen Chancen nachtrauerte. Noch größer als die spanische, war die italienische Enttäuschung. Der regierende Weltmeister hatte sich schon nach der Gruppe als Dritter (0:1 gegen Ägypten, 0:3 gegen Brasilien) von der Mini-WM verabschiedet.



USA - Brasilien 2:3 (2:0)
Johannesburg, Ellis Park Stadium, 50.000. SR Martin Hansson (SWE)

Tore:
Dempsey (10.), Donovan (27.) bzw. Luis Fabiano (46., 74.), Lucio (84.)

USA: Howard - Spector, DeMerit, Onyewu, Bocanegra - Dempsey, Feilhaber (75. Bornstein), Clark (8. Casey), Donovan - Davies, Altidore (75. Klejstan)

Brasilien: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Luisao, Andre Santos (66. Daniel Alves) - Felipe Melo, Gilberto Silva, Ramires (67. Elano), Kaka - Luis Fabiano, Robinho

Gelbe Karten: Bocanegra bzw. Felipe Melo, Andre Santos, Lucio

(apa/red)

29.6.2009 14:02