Sonntag, 28. Juni 2009

Wird Mosley doch noch zum "Mad Max"?
Gekränkter FIA-Boss gefährdet F1-Zukunft

  • Mosley: "Sie haben den Fehler gemacht, auf meinem
    Grab zu tanzen, bevor ich unter der Erde war"
  • "Handlanger" Jean Todt als sein Nachfolgekandidat

Ein Streit um die Nachfolge von Weltverbandschef Max Mosley und das künftige Formel-1-Machtgefüge bedroht den brüchigen Frieden in der "Königsklasse". Der von den Rennställen zum Amtsverzicht gedrängte Mosley will sich nicht einfach beiseiteschieben lassen und kämpft mit allen Mitteln um seinen Einfluss auf die Formel 1. Neuester Schachzug: Der ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt, ein Vertrauter des Briten, soll laut "Sunday Times" das Amt als Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA übernehmen. Die Teams, die einen "unabhängigen Kandidaten" fordern, wären erneut brüskiert. "Der Zorn von Mad Max drängt die Formel 1 auf Messers Schneide", warnte "The Independent".

"Es ist nicht meine Natur, vor einem Kampf davonzulaufen", drohte Mosley am Wochenende. Erst am Mittwoch hatten der FIA-Chef und die Teamvereinigung FOTA ihren monatelangen Konflikt beigelegt. Mosley versicherte, im Oktober nicht erneut zur Präsidentenwahl anzutreten. Die Rebellen-Teams verzichteten daraufhin auf eine eigene Rennserie. Doch mit wütenden Briefen an Ferrari-Boss Luca di Montezemolo und die FIA-Mitgliedsverbände brachte Mosley den Kompromiss umgehend wieder in Gefahr. Di Montezemolo reagierte verschnupft. "Es muss Schluss sein mit der Polemik, weil wir die Formel 1 lieben!", forderte der Italiener auf der Ferrari-Internetseite.

"Am Grab getanzt, bevor ich unter der Erde war"
Doch so einfach will der FIA-Präsident offenbar nicht die Bühne räumen. Verärgert über die FOTA, die sich als Sieger in dem Disput um eine Budgetgrenze fühlt, stellte der 69-Jährige die Vereinbarung wieder infrage. "Sie haben den Fehler gemacht, auf meinem Grab zu tanzen, bevor ich unter der Erde war", zitierten britische Medien Mosley. Er habe zwar durchaus die Absicht zu gehen, doch eine Hintertür ließ sich der Brite offen. "Wenn es einen großen Konflikt mit der Autoindustrie - zum Beispiel mit den FOTA-Teams - gibt, werde ich nicht aufhören", sagte Mosley.

Doch selbst wenn der FIA-Chef nach der vierten Amtszeit im Oktober seinen Platz frei macht, will er angeblich weiter die Strippen ziehen. Mit dem Franzosen Todt hat Mosley womöglich schon den passenden Strohmann gefunden. Der 63-Jährige, unter dessen Regie Michael Schumacher bei Ferrari fünf seiner sieben Weltmeister-Titel einfuhr, hatte die Scuderia im März nach 16 Jahren im Unfrieden verlassen und gilt als Gegner von Di Montezemolo.

Todt verlängerter Arm Mosleys?
Als Chef einer gemeinnützigen Organisation, die sich um die Weiterentwicklung von Sicherheitstechnologien in Autos bemüht, hat Todt engen Kontakt zur FIA und Mosley. "Mosley will jemanden, der seine Arbeit fortsetzt. Der von ihm manipuliert werden kann - und wir wissen alle, wer das ist", zitierte die "Sunday Times" einen Formel-1-Insider.

Die Hoffnung der FOTA auf ein schnelles und geräuschloses Ende der Mosley-Ära ist damit dahin. Eigentlich wollten die Rennställe schon beim nächsten Rennen auf dem Nürburgring in zwei Wochen ihren Kontakt zu FIA-Senatschef Michel Boeri vertiefen, den sie anstelle von Mosley zum neuen Hauptansprecher erkoren hatten. Sogar von neuen Plänen, auch Mitvermarkter Bernie Ecclestone im Ringen um eine Neuverteilung der Einnahmen aus dem Geschäft zu drängen, war in der Szene wieder die Rede. Doch mit seiner erneuten Offensive hat Mosley Ferrari und Co. wohl zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht.
(apa/red)

28.6.2009 15:11
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