Formel 1 wendet vorm Abgrund: FIA und FOTA einigen sich auf gemeinsame Zukunft
- Angedrohte Konkurrenzserie ist damit vom Tisch
- FIA-Präsident Max Mosley: "Nun haben wir Frieden"
Brite wird nicht mehr für weiteres Amt kandidieren
·"Niemand hat sein Gesicht verloren"
Niki Lauda von rascher Einigung nicht überrascht
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Wie es fast zur Spaltung der Rennserie kam
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Reizfigur Mosley spielte Schlüsselrolle im F1-Streit

Die existenzielle Krise der Formel 1 scheint beendet - und mit ihr ein Säbelrasseln auf sehr hohem Niveau. Der Automobil-Weltverband FIA und die Teamvereinigung FOTA haben eine Einigung erzielt und damit die Bildung einer Konkurrenzserie verhindert. Als Teil der Übereinkunft tritt der umstrittene FIA-Präsident Max Mosley im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl an.
"Es wird zu keiner Spaltung kommen. Wir haben uns über die Kostenreduktion geeinigt", erklärte Mosley im Rahmen des Motorsport-Weltrats im FIA-Hauptquartier auf dem Place de la Concorde. "Es wird nur eine Formel-1-WM geben. Ziel ist es aber, innerhalb von zwei Jahren mit den Ausgaben das Niveau der frühen 1990er Jahre zu erreichen", sagte Mosley. Das Regulativ für 2010 werde aber noch jenem der laufenden Saison entsprechen.
Die FOTA hatte im Streit um die geplante Budgetobergrenze von 40 Millionen Pfund (46,7 Mio. Euro) mit der Gründung einer Konkurrenzserie gedroht und entsprechende Pläne vorangetrieben. Neben der Budgetgrenze wollte sie auch am finanziellen Kuchen, der in der Königsklasse verteilt wird, stärker partizipieren. Mosley und Ecclestone hatten den Teams bisher nur 50 Prozent der Gelder zukommen lassen.
Die FOTA-Teams Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und Brawn GP hatten sich für Donnerstag in Bologna zu einem Meeting verabredet, in dem sie weitere Details ihrer Serie hätten ausarbeiten wollen. Die schnelle Einigung kommt daher überraschend. Rechteinhaber Bernie Ecclestone soll Architekt des Kompromisses gewesen sein, gab sich danach "sehr glücklich, dass gemeinsame Interessen gesiegt haben".
Mosley-Rückzug
Entscheidend für den Kompromiss dürfte die Ankündigung von Mosley gewesen sein, im Oktober nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Noch am Vortag hatte der 69-jährige Engländer in einem Brief an die FIA-Mitglieder ganz anderes angekündigt. "Ich stehe nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung", sagte Mosley, der dem weltweiten Dachverband der Autofahrerclubs seit 1991 vorgestanden war. "Nun haben wir Frieden."
Der Preis dafür ist kein geringer - für beide Seiten. Während die FIA eine langsamere und schrittweise Umsetzung der Kostenreduktion zugestanden hat, um den Teams Personalabbau und Neustrukturierung zu ermöglichen, dürften sich die Rennställe langfristig an die Formel 1 gebunden haben. Ein neues Concorde Agreement, das die Verteilung der Vermarktungsgelder regelt, soll demnächst unterschrieben werden und laut Medienangaben bis 2012 gültig sein.
"Polemik nicht gut"
Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat nicht mit Genugtuung, sondern mit Respekt gegenüber seinem langjährigen Gegenspieler Mosley auf die Einigung in der Formel 1 reagiert. "Ich denke, er hat sehr gute Arbeit geleistet, um das Problem zu lösen", sagte Montezemolo.
Montezemolo hatte die rebellierenden Teams als Präsident der FOTA angeführt und mit der FIA auf Konfrontationskurs gebracht. "Polemik ist nicht gut für die Formel 1 und besonders nicht in der Öffentlichkeit, denn die Formel 1 ist ein fantastischer Sport, der nicht nur geschützt, sondern neu gestartet werden muss", erklärte der Ferrari-Boss. Ein neues Concorde Agreement soll den Rennställen langfristige Planungssicherheit bieten.
Mosley widersprach der Ansicht, dass er im Machtkampf eine Niederlage erlitten hätte. "Ich würde das nicht so sehen, denn wir haben die Regeln mit den Änderungen und auch die neuen Teams", betonte Mosley. Die endgültige FIA-Startliste für 2010 umfasst neben den bisherigen Rennställen Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota, Red Bull, Toro Rosso, Brawn GP, Williams und Force India auch die drei Neulinge Campos, Manor und USF1.
(apa/red)
