Washington in Schock: Mindestens neun
Tote bei schwerem U-Bahn-Zusammenstoß
- über 70 Fahrgäste wurden bei fatalem Crash verletzt
- Mehrere Zugwaggone über zweite U-Bahn geschoben

Es ist der schwerste U-Bahn-Unfall in der Geschichte der US-Hauptstadt: Beim Zusammenstoß zweier Züge in Washington sind nach Angaben des Betreibers der Metro mindestens neun Menschen getötet und mehr als 70 verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. "Der Schauplatz ist so entsetzlich, wie man sich das nur vorstellen kann", sagte bedrückt Bürgermeister Adrian Fenty, der nach dem Unglück am Montagnachmittag sofort zum Unfallort geeilt war. US-Präsident Barack Obama ließ mitteilen, dass er mit Gedanken und Gebeten bei den Opfern und ihren Familien sei.
Behörden und Polizei sind beunruhigt, weil ein solcher Unfall im Computer-gesteuerten Metro-System bisher als technisch ausgeschlossen galt. Täglich nutzen über eine halbe Million Pendler die U-Bahn der "Metrorail", um zu ihren Arbeitsplätzen in Washington zu kommen. Das Mitglied der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Debbie Hersman, verwies in der "New York Times" auf frühere Sicherheitsbedenken beim Einsatz der älteren U-Bahn-Züge Washingtons. Trotz mehrfacher Empfehlungen seien die Bahnen aber nicht mit zusätzlichen Sicherheitselementen ausgestattet worden.
"Redline" prallte auf andere
Kurz nach 17.00 Uhr - mitten im Berufsverkehr - war an der Stadtgrenze zum US-Bundesstaat Maryland im Nordosten der Hauptstadt eine voll besetzte U-Bahn der "Redline" auf einen anderen, vor einem Bahnhof wartenden Zug der gleichen Linie geprallt. Am Unfallort kurz vor der Station Fort Totten fahren die U-Bahnen oberirdisch. Der erste Wagen des auffahrenden Zuges schob sich über den letzten der stehenden U-Bahn, "er ragte wie eine Rakete in den Himmel", schilderte Augenzeugin Linda Dixan dem Sender Fox die schrecklichen Bilder.
"Ich flog vom Sitz, das Licht ging aus und überall war Rauch", beschrieb die unverletzt gebliebene Passagierin Jasmin Garsd den Unfall dem TV-Sender CNN. Es habe kurz "eine Art von Panik" gegeben, Menschen hätten geschrien, Minuten später seien sie aber von einem Metro-Angestellten aus der U-Bahn geführt worden. Andere Überlebende berichteten bei CNN von blutüberströmten Fahrgästen und Menschen, denen Metallteile ins Gesicht geflogen waren. "Es hat sich angefühlt, als wären wir gegen eine Betonwand geknallt", erzählte ein Mann.
Rettungsmannschaften mussten nach dem Unfall mit Schneidbrennern Passagiere befreien, die in den ineinander verkeilten U-Bahn-Wagen eingeschlossen waren. Die Feuerwehr Washingtons kritisierte die Metro-Verantwortlichen, die beim ersten Alarm lediglich von "einem kleinen Unfall" berichtet hatten, so Feuerwehrchef Dennis Rubin zur "Washington Times".
Automatisch gesteuert
Das U-Bahn-Netz Washingtons wird vollautomatisch von einem zentralen Computer gesteuert und schließt die Möglichkeit eines Zusammenstoßes oder Auffahrunfalls eigentlich aus. Die "Washington Post" berichtete jedoch von zahlreichen Metro-Problemen in der Vergangenheit, die schließlich im Jahr 2000 zu einer Grundüberholung geführt hätten. Dennoch habe es auch später immer wieder Zweifel an der Sicherheit gegeben. "Das System ist veraltet und muss sehr genau untersucht werden", meinte der Verkehrssicherheitsexperte Peter Goelz in der "New York Times".
Bis in die Morgenstunden suchten die Retter nach Opfern. Die Behörden sprachen zunächst von sechs und dann von neun Toten, Bürgermeister Fenty berichtete später von sieben Toten. Schließlich musste die Zahl wieder auf neun erhöht werden.
Das 1976 eingeweihte U-Bahn-System Washingtons ist mit etwa 176 Kilometern Streckennetz das zweitlängste der USA - nach dem in New York. Etwa 215 Millionen Passagiere nutzen die U-Bahn jährlich.
(apa/red)
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